Von Freiheit und Verantwortung

27.10.2015 • 17:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sechs Jahre lang hat Regisseur Jean-Jacques Annaud am Film „Der letzte Wolf“ gearbeitet. Foto: Pathé Film
Sechs Jahre lang hat Regisseur Jean-Jacques Annaud am Film „Der letzte Wolf“ gearbeitet. Foto: Pathé Film

Wieder einmal erweist sich Regisseur Jean-Jacques Annaud als Meister des Tierfilms.

Abenteuer. Erst „Der Bär“, dann der Tigerfilm „Zwei Brüder“ und nun „Der letzte Wolf“: Jean-Jacques Annaud hat erneut mit wilden Tieren gedreht. Sein Film spielt in der Inneren Mongolei, einer autonomen Region Chinas. Auf Befehl der Behörden soll ein gefährliches Wolfsrudel getötet werden, gegen den Willen der Nomaden, die seit Jahrtausenden mit den Tieren im Einklang leben.

Sechs Jahre lang hat er an diesem Werk gearbeitet. Allein die Tiere an den Kontakt und die Arbeit mit Menschen zu gewöhnen, dauerte: „Wir haben die Wölfe als Babys geholt“, erzählt der Filmemacher. „Wölfe kann man eigentlich nicht trainieren, sie bleiben wild. Aber ein wilder Wolf würde einen Menschen nie näher als 500 Meter an sich heran lassen. Damit die Wölfe in unserer Nähe blieben, mussten wir drei Jahre lang warten.“ Auch die Dreharbeiten zogen sich über viele Jahre hinweg.

Das Ergebnis ist in der Tat überwältigend: Szenen, die an Spannung und Emotionen kaum zu überbieten sind. Und auch wenn im Film Blut fließt, beim Dreh sei kein Tier verletzt worden, versichert Annaud. Er behalf sich mit Tierattrappen, etwa falschen Pferdekörpern, die mit Wurstduft besprüht waren und in die sich die Wölfe verbeißen konnten.

Ein Bestseller

In China war das Buch „Der Zorn der Wölfe“ von Lü Jiamin, der unter dem Pseudonym Jiang Rong schrieb, ein absoluter Bestseller, aber auch umstritten, stellte er doch den kriegerischen Mongolen die ackerbautreibenden Chinesen gegenüber, die durch den Konfuzianismus zu braven Untertanen erzogen werden. Der Autor konterte: Sein Wunsch sei, dass die Chinesen den konfuzianischen Gehorsam abschüttelten, um sich als mündige Bürger in einer freien Gesellschaft zu erheben. Auch der Film fordert dazu auf, der Natur und Menschen Respekt zu zollen. Und er zeigt kritisch, wie die Pekinger Machthaber sich forsch über alle Bedenken hinwegsetzen.

Probleme mit der Zensur bekam Regisseur Annaud aber nicht, obwohl die chinesischen Behörden wegen seines Films „Sieben Jahre in Tibet“ aus dem Jahr 1997 ein Einreiseverbot verhängt hatten. Dieses Problem sei „sehr elegant“ gelöst worden, erklärte der Regisseur. „Wir haben es niemals angesprochen.“

Filminfos

» Regie: Jean-Jacques Annaud
» Hauptdarsteller: Shaofeng Feng, Shawn Dou, Ankhnyam Ragchaa, Yin Zhusheng, Basen Zhabu

» läuft ab 30. Oktober im Kino