Flip-Flops aus Brasilien für Koreaner

Kultur / 28.10.2015 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alexandra Berlinger und Wolfgang Fiel im bewachsenen Austria-Pavillon.
Alexandra Berlinger und Wolfgang Fiel im bewachsenen Austria-Pavillon.

Vorarlberger Künstlerduo Berlinger/Fiel sorgte auf der EXPO für rege Schenkerei.

Christa Dietrich

Mailand, Bregenz. Verbindendes darzulegen, für Verbindungen oder mehr Kommunikation zu sorgen, war als Anliegen schon öfter aus Projekten des Vorarlberger Künstlerduos  bzw. -kollektivs „tat ort“ abzulesen. In einem Wiener Gemeindebau haben Alexandra Berlinger (geb. 1970 in Bregenz) und Wolfgang Fiel (geb. 1973 in Alberschwende) beispielsweise die Aufgabe, Menschen intensiv miteinander in Kontakt zu bringen, augenscheinlich, aber unkonventionell gelöst. Alle Wohnungen des großen Areals, in denen Gartenbetreiber leben, wurden mit einer roten Schnur verbunden. Beim Fenster rein und unter der Tür raus, löste das rote Band nicht nur Spannungen, man diskutierte, traf sich, regte sich gelegentlich auch auf. Mit einer abwehrenden Haltung kommen die beiden gut zurecht, denn Berlinger und Fiel sehen es bei solchen Projekten auch als ihre Aufgabe, für Fragen parat zu stehen, Erläuterungen abzugeben und Haltungen weitgehend zu respektieren.

Ernüchternd

Das erwähnte Projekt war unter anderem auch ausschlaggebend für eine Einladung des „Artist in residence“-Programmkurators Gerald Straub auf die EXPO in Mailand. Wie im Juni berichtet, verbrachten die Künstler einen Monat auf dem großen Areal auf dem unter dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“ rund 150 Aussteller aus aller Welt versammelt sind und über 20 Millionen Besucher anlocken. Nach mehr oder weniger ernüchternden Erkundungsgängen – die EXPO bietet nicht nur Orientierung in Zukunftsfragen, sondern vor allem auch Vertretern von Lebensmittelkonzernen ein Podium – stand für die beiden fest, dass ihr abschließend zu realisierendes Projekt wiederum ein kommunikationsförderndes sein sollte. Nachdem man wahrnahm, dass die Aussteller einander kaum begegneten, wurden sie schriftlich und entsprechend höflich dazu aufgefordert, diplomatischen Gepflogenheiten zu entsprechen. Kurzum, man sollte dem jeweiligen Pavillon-Nachbarn ein Gastgeschenk unterbreiten, das dort als Exponat sichtbar bleibt.

So befindet sich nun im wuchernd begrünten Österreich-Pavillon, in dem man sich einem der wichtigsten Nahrungsmittel, nämlich der Luft, widmet, auch eine höchst exotische Pflanze. Sie kam aus Chile und produziert nun noch mehr Sauerstoff. Österreich beschenkte Slowenien hingegen mit einer Vase aus renommierter Manufaktur. Brasilien entsprach den Erwartungen und reichte durchaus kleidsame Flip-Flops an die Kollegen aus Korea weiter. Die Japaner wiederum wurden von den Monegassen beliefert, die einen Mini-Container offerierten, der an die recycelten Container erinnern sollte, aus denen der Monaco-Pavillon errichtet wurde. Bienenwaben und Honig wechselten auch noch die Besitzer und führten zum eigentlichen Thema der EXPO zurück, auf der Vorarlberger somit für spontane Bescherungen und Gesprächsstoff sorgten.

Es ist uns aufgefallen, dass die Aussteller einander kaum begegnen.

Wolfgang Fiel
Die Ungarn schenkten den Engländern eine Bienenwabe.
Die Ungarn schenkten den Engländern eine Bienenwabe.
Aus Brasilien kam luftiges Schuhwerk nach Ostasien. FotoS: tat ort
Aus Brasilien kam luftiges Schuhwerk nach Ostasien. FotoS: tat ort
Eine weitere Pflanze für den Österreich-Pavillon kam aus Chile.
Eine weitere Pflanze für den Österreich-Pavillon kam aus Chile.

Die EXPO ist bis 31. Oktober geöffnet. Über die Kunstprojekte erscheint eine Publikation.