Viel Ironie für einen, der sich an die Linie hält

28.10.2015 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schau verweist auch auf neue Facetten im Werk Türtschers. Foto: AG
Die Schau verweist auch auf neue Facetten im Werk Türtschers. Foto: AG

Franz Türtscher zeigt „Konturen und Dialoge“ in der Galerie.Z in Hard.

HARD. (VN-ag) Es gibt sie auch im Werk von Franz Türtscher, die Arbeiten auf Papier. Gezeigt hat sie der Vorarlberger Künstler indes selten. Eine Ausstellung in der Harder Galerie.Z bietet nun die Gelegenheit, diesem Part des Türtscher’schen Schaffens zu begegnen.

Linien-Allianzen

„Konturen und Dialoge“ titelt die Schau, die Blätter aus den frühen 1990ern bis hin zu aktuellen Arbeiten vereint; was man auch mit „Farbe und Rhythmus“ übersetzen könnte und damit die beiden grundlegenden Gestaltungsprinzipien und Konstanten benennt, die das Werk Franz Türtschers seit den 1980er-Jahren prägen. In der Malerei mit der Schaffung expansiver Bildräume befasst, arbeitet sich der Künstler seither konsequent an den Stilelementen der konkreten Kunst ab, ohne ein „Konkreter“ im eigentlichen Sinn zu sein. So kennzeichnen die Reduktion auf Schwarz-Weiß-Kontraste und horizontale und vertikale Elemente die Werkreihe der Linien-Allianzen, als feine, gitterartige Struktur, einem Koordinatensystem vergleichbar, über das sich das eigentliche Bild legt. Aber wo Ordnung herrscht, da scheint auch das Chaos nicht weit, Harmonie ruft nach Disharmonie, Variationen und Brüche provozieren als wohlkalkulierte Fehler eine Ambivalenz im System Türtscher, die für Spannung sorgt. Zwischen Innehalten und stetiger visueller Herausforderung bleibt das Auge in Bewegung, scannt einen Raster ab und bleibt an farbigen Streifen oder zuweilen gar auch figurativen Einschüben hängen. Es kommt zu Interferenzen von Linien, Streifen und Flächen, Kreuzungspunkte und Überlagerungen fordern den Blick heraus. Vielschichtige Bildräume werden zu Farbräumen, Farbe und Farbvariationen zu einer autonomen Qualität.

Schnell, unkompliziert

Als „ungleich schnelleres, unkomplizierteres Medium, das auch Fehler erlaubt,“ so Türtscher, kommt der Zeichnung in seiner künstlerischen Auseinandersetzung eine wichtige Rolle zu, denn die filigranen, grafischen Strukturen, beispielsweise mit Tusche auf Papier, weisen große Ähnlichkeit zu den Leinwandarbeiten auf. Im Fokus der Harder Ausstellung stehen aber vor allem die Mischtechniken und Collagen, für die einzelne Bildelemente zerschnitten zu neuen Bildern montiert wurden. Dem Prinzip der Collage frönt der Künstler auch in dem, was die Konzeption und Hängung der einzelnen, zu Blöcken versammelten Werkgruppen betrifft. Wenn es auch kein grundsätzlich anderer, unbekannter Franz Türtscher ist, der mit Arbeiten auf Papier antritt, so verweist die Ausstellung doch auf neue Facetten im Werk des Künstlers, der in einem 15-teiligen Werkblock, eng gestrichelt, verlauten lässt: „Jeder ein Experte.“ Buchstaben sind hier nicht nur Form, sondern auch Informationsträger. Es sind viele Worte und viel Ironie für einen, der sich sonst strikt an die Linie und den Raster hält.

Zur Person

Maler und Bildhauer Franz Türtscher

Geboren: 1953 in Dornbirn

Ausbildung: Universität für angewandte Kunst in Wien

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen sowie Kunst-am-Bau-Projekte (Kriegerhorn- und Weibermahdbahn in Lech)

Auszeichnungen: u.a. Staatsstipendium, Hypo Kunstpreis

Wohnort: Wien

Die Ausstellung ist in der Galerie.Z, Landstraße 11, in Hard, bis 14. November geöffnet, Di und Do, 18 bis 20 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr.