Und Mona Lisa lächelt süffisant dazu

29.10.2015 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit viel Gespür (und wenig Zwang) verläuft das Treffen von Siegfried Fruhauf und Christian Rupp in Bludenz. Foto: A. Grabher
Mit viel Gespür (und wenig Zwang) verläuft das Treffen von Siegfried Fruhauf und Christian Rupp in Bludenz. Foto: A. Grabher

Konzeptuelles mit Humor zeigen die Österreicher Christian Rupp und Siegfried A. Fruhauf bei „allerArt“.

BLUDENZ. (VN-ag) Manchmal haben „Zwangsgemeinschaften“ auch etwas Gutes. Zumindest bei den beiden in Wien lebenden Künstlern Siegfried Fruhauf und Christian Rupp, die sich bis vor Kurzem nicht einmal kannten und nun gemeinsam in der Galerie „allerArt“ ausstellen.

Mit viel Gespür (und wenig Zwang) eingefädelt wurde das Gemeinschaftsprojekt von Künstlerkurator Alfred Graf im Rahmen der Ausstellungsreihe, die sich auf Künstlerpaare und -duos fokussiert. Dass Siegfried Fruhauf und Christian Rupp auf ähnlicher Wellenlänge gut mit- und nebeneinander können, ohne dass sie aufeinander zugearbeitet haben, wird gleich beim Betreten des Raumes klar, wenn der Blick an die Wand gegenüber geht und an zwei Mona-Lisa- Darstellungen hängen bleibt. Über das gemeinsame, völlig unabhängig voneinander angegangene Thema hinaus treffen sich die beiden in ihren konzeptuellen Grundsätzen, die stets mit Humor vorgetragen werden, sowie in der gemeinsamen Materialbasis, die als jederzeit verfügbare, inflationäre Bildwelt aus dem Internet gezogen wird. Der Bildserie „Branded – Featured Sponsors“, zu der auch die anstelle ihres weltberühmten Lächelns mit dem mittlerweile fast ebenso bekannten Nike-Swoosh versehene Mona Lisa von Christian Rupp (Jahrgang 1970) gehört, liegt die Auseinandersetzung des Künstlers mit Vermarktungsstrategien zugrunde. In der Überblendung von ikonischen Werken der Kunstgeschichte und Markenzeichen schiebt Rupp, als Mitinitiator des Wiener „ARTmART“-Projekts, als alternativer Kunstmarkt, nicht nur da Vinci einen Sponsor unter. Er spielt auch mit dem für den Marktwert eines Künstlers nicht unerheblichen Faktor der Wiedererkennbarkeit. Ungleich poetischer, von eigenwilliger, fast transparenter Ästhetik und Fragilität geprägt und im ersten Moment auf Irritation setzend, die zweite Bildserie von Christian Rupp – „Hair“.

Haare und Pixel

Dafür hat der Künstler erotische Fotografien und pornografische Darstellungen am Computer bearbeitet und solange mit Weiß überdeckt, bis nur noch die Haare an den verschiedenen Körperstellen der Frauen, und dabei doch noch erstaunlich viel Bild, übrig bleiben. Auch hier hat Rupp das der jeweiligen Mode unterworfene Diktat der Konsumindustrie im Blick, und das daraus resultierende angeleitete, kollektive Handeln, das kaum hinterfragt wird. Seine Hände in Unschuld wäscht dagegen Siegfried A.Fruhauf (Jahrgang 1976) in seiner Mona-Lisa-Version, einem Doppelzitat auf da Vinci und Marcel Duchamp, dessen dadaistischen Ansatz er fortspinnt und dem Bild ein augenzwinkerndes „Ich habe das nicht getan“ hinzufügt. Sowohl als Filmemacher als auch als bildender Künstler auf der Suche nach der Essenz der Dinge und kleinsten Einheiten, „püriert“ er die Farbwerte von Mona-Lisa-Darstellungen, verkleinert sie auf ein Pixel und extrahiert einen Farbton, um nebenbei auch die Frage der Reproduzierbarkeit des Kunstwerks anzusprechen. Der Begriff der Auflösung und des Zerlegens, die häufig einen Topos in Fruhaufs Arbeiten bildet, prägt auch die Videoinstallation „Mona Lisa Dissolution“, die mit einem reproduzierten, süffisanten Lächeln aus dem Netz aufwartet.

Die Ausstellung ist in der Galerie „allerArt“ (Raiffeisenpl. 1) in Bludenz, bis 29. November geöffnet, Mi. bis Sa., So. und Feiertag, 15 bis 18 Uhr.