Delikate Thriller mit Zeitbezug

30.10.2015 • 18:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Philip KerrDer Wintertransfer425 SeitenTropen

Philip Kerr

Der Wintertransfer

425 Seiten

Tropen

Manche Bälle gehen ins Out, manche netzen ein – spannend bleibt es allemal.

Romane. Philip Kerr ist ein englischer Thrillerautor. Er reüssierte bereits mit „Game over“, oder „Das Wittgensteinprogramm“ und wurde damit unter anderem mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Mit „Der Wintertransfer“ legt der Fußballfan nun seinen ersten Fußball-Thriller vor.

„Der Winter Transfer“ handelt von einem Kotrainer, der prinzipiell nur eines versucht, seine Mannschaft London City auf Vordermann zu bringen und ein halbwegs gutes Mannschaftsklima aufrechtzuerhalten. Plötzlich findet man einen ehemaligen Freund und Mannschaftskollegen von Scott erhängt auf einem Mast vor dem Wembley-Stadion baumeln. Ziemlich unangenehm, dass dieser noch vor Stunden bei Scott auf Besuch war. Als dann noch der Trainer der Mannschaft ermordet wird, hört sich der Spaß auf und Scott, mit viel Insiderwissen ausgestattet, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Der Zug zum Tor

Nun denn, es gibt kaum etwas Schwierigeres, als ein gelungenes literarisches Werk zu schaffen, das an die Leidenschaft des Autors gekoppelt ist. Zu viele Ausschweifungen, zu viele Details, Seiten also, denen der mäßig interessierte Leser nicht folgen mag. Noch problematischer wird es, wenn es hier um ein Thema geht, das die eine Hälfte der Gesellschaft brennend, die andere jedoch überhaupt nicht interessiert, nämlich Fußball. Dazu kommt noch, dass fußballbegeisterte Personen jetzt gerade nicht als überdurchschnittliche Leser bekannt sind. Doch Philip Kerr meistert dies grandios. Hin und wieder erzählt der deklarierte FC-Arsenal-Fan eine Nuance zu viel, das kann wohlwollend als brasilianisches Dribbling quotiert werden, doch hat er einen Zug zum Tor, sprich: Die Spannung lässt nicht nach. Nun, Weihnachten naht, und wollen die Damen unter den Lesern ihren fußballversessenen Partnern ein Buch schenken, das denen so richtig Spaß macht, wäre „Der Winter Transfer“ ein guter Griff.

Hitchcock lässt grüßen

Nach „Fünf“ und „Stimmen“ legt die Wienerin Ursula Poznanski nun ihren dritten Krimi vor. Für „fremd“ holte sie einen Co-Autor ins Boot, Arno Strobel. Aufgeteilt ist der Roman übrigens dem Geschlecht entsprechend, Poznanski schreibt den weiblichen Part, den männlichen übernimmt ihr Gegenüber. Inhaltlich ist „fremd“ prinzipiell eine reizvolle Sache: Eine Dame kann sich nicht mehr an ihren Mann erinnern, der von der Arbeit nach Hause kommt. Nichts in der Wohnung erinnert an ihn und die Dame glaubt ihm kein Wort. Ein Hochstapler? Eine klassische Hitchcock-Situation bahnt sich an.

Die ersten Seiten sind erfolgversprechend. Doch die Geschichte flacht ab. Es gestaltet sich schwieriger als erwartet, von einem Charakter zum anderen zu hüpfen. Vom ungenauen Umgang mit dem Internet und einer Terrorepisode abgesehen, haben die Autoren zu viele inhaltsdienliche Elemente eingebaut, sodass die Anfangsidee, zwei Menschen sind einander ausgeliefert, unterliegt.

Poznanski Strobelfremd392 SeitenWunderlich

Poznanski Strobel

fremd

392 Seiten

Wunderlich