Der Patient Kunsthalle Wien ist auf Besucher- und bald auf Chefsuche

Kultur / 30.10.2015 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN Bericht vom 12. September 2015.
VN Bericht vom 12. September 2015.

Nach dem Abgang von Gerald Matt bleiben die Eintritte immer noch mehr als halbiert.

Wien, Bregenz. (VN-cd) Spätestens im nächsten Jahr ist die Kunsthalle Wien wieder in den Schlagzeilen. In der Bundeshauptstadt ist das Thema Regierungsbildung und Ressortbesetzung zwar vorrangig, im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wird jedoch bestätigt, dass man sich auch im Fall der Kunsthalle an das Stellenausschreibungsgesetz des Bundes hält. Zu einer Vertragsverlängerung auf kurzem Weg wird es nicht kommen, das Konzept von Nicolaus Schafhausen, der das Haus im Museumsquartier und die Dependance am Karlsplatz seit Herbst 2012 leitet, wird einer Überprüfung unterzogen.

Attraktivitätsverlust

Ein Umstand fällt dabei sofort negativ auf, die Kunsthalle hat an Attraktivität verloren, und zwar gewaltig. 195.000 Besucher zählte man noch im Jahr 2011, 2012, im Jahr der Neustrukturierung und des von den Wiener Grünen betriebenen Abgangs von Gerald Matt, waren es noch 103.000. Auf 40.520 Besucher sank die Zahl im Jahr 2013 und auch danach, als die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen waren, kamen nur noch 56.800. In diesem Jahr gäbe es eine Tendenz nach oben, erklärt Sigrid Mittersteiner aus der kaufmännischen Abteilung. In der endgültigen Bilanz wird man aber wohl ausweisen müssen, wer überhaupt Eintritt bezahlt hat. In der Kunsthalle ist man stolz auf ein junges Publikum. Bis 19 geht man in Wien gratis durch, nun – vom 7. November bis 7. Februar – wird das für alle gelten. Die Schau „Politischer Populismus“ ist „als kulturpolitisches Statement“ überhaupt frei zugänglich.

Derweil rechtfertigt man in der dem Museum moderner Kunst benachbarten Kunsthalle den eklatanten Besucherrückgang damit, dass man neben anderen Kunstinstitutionen passabel dastehe. Bereits im Vergleich zum Kunsthaus Bregenz gilt das nicht.

Das Haus in der Kleinstadt lockte pro Jahr zuletzt gut 50.000 Besucher an, liegt bei einem Subventionsaufwand von 2,5 Millionen Euro aber in etwa bei der Hälfte des Bedarfs der Kunsthalle, wobei der budgetäre Aufwand für die Neustrukturierung derselben noch nicht mitgerechnet ist. Interessanterweise führt die Kunsthalle Wien, die ihr Kuratorenpersonal in den letzten drei Jahren fast zur Gänze ausgewechselt hat, gegenüber den VN an, dass man zwar physisch nicht gut besucht sei, dass man aber virtuell viel genutzt werde.