Fleißige Faultiermalerei

Kultur / 30.10.2015 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
An diesem Bild arbeiteten gut zehn Künstler mit. Foto: A. Grabher
An diesem Bild arbeiteten gut zehn Künstler mit. Foto: A. Grabher

Das „Isolation Camp“ vereint eine bunte Mischung von Aktivisten und Künstlern.

FELDKIRCH. (VN-ag) Vor zwei Jahren hat das von Tobias Ludescher 2010 initiierte „Isolation Camp“ erstmals in Feldkirch Station gemacht. Nun sind die Kunstaktivisten rund um den künstlerisch familiär vorbelasteten, auch in der Snowboardszene beheimateten Vorarlberger Fotografen und Grafiker äußerst treffend im Rahmen des Veranstaltungsformats „Potenziale“ erneut zu Gast im Palais Liechtenstein – größer, schöner und noch frischer.

Soziales Experiment

Die Konditionen von „Isolation Camp“ sind unverändert, an einem Ort jenseits des digitalen Netz- und Hintergrundrauschens und der Stoppuhr des Alltags trifft eine bunte Mischung von geladenen jungen Künstlern, Musikern, Illustratoren, Grafikern, Filmemachern, Tontechnikern, Kalligrafen usw. aus allen Himmelsrichtungen zu außergewöhnlichen Kollaborationen aufeinander. Während zehn bis 14 Tagen wird in zumeist alpinem Ambiente, auf Hütten in Vorarlberg, Tirol und zuletzt auch der Steiermark, wo mit dem Maler Paul Riedmüller ein zweiter aktiver Organisator neu eingestiegen ist, miteinander kommuniziert und gearbeitet, Musik gemacht, neu auch geschauspielert und immer mehr gekocht. Respektvoll, hemmungslos, mit viel Humor und Freude an der Sache stellt „Isolation Camp“ für Tobias Ludescher (geboren 1981) auch ein soziales Experiment dar, das in den vergangenen Jahren gewachsen ist und zukünftig auch über die Landesgrenzen hinaus getragen werden soll. Bei allen Expansionsplänen soll das Format zugunsten der Produktivität am jeweiligen Ort aber eher klein und familiär bleiben. Die Isolation, die der Titel als Spannungsbogen verspricht, findet nur nach außen hin statt, innerhalb der Gruppe vollzieht sich der ultimative Austausch auf allen Ebenen.

234 Arbeiten von 70 Künstlern

So haben in den letzten vier Camps rund 70 Künstler aus 13 Ländern in entschleunigter Atmosphäre kollaboriert, ihre Arbeiten gegenseitig ausgetauscht, kollektiv am Werk gearbeitet und zeigen nun in der Ausstellung nicht weniger als 234, erstaunlicherweise vor allem kleinformatige Gemälde, Collagen, Zeichnungen, Fotos und Arbeiten auf Papier. Weit entfernt von egomanischem Künstlergehabe, findet sich selten Signiertes, da zumeist gemeinsam, in wechselnder Besetzung gearbeitet wurde, aber hie und da lassen sich doch einzelne Handschriften und Stile ausmachen. Bevorzugte Themen sind der Mensch, immer wieder Porträts, gegenseitig, und die Natur.

Ein Wappentier

Ein Paradebeispiel für das kollektive Produzieren ist das hintersinnig-ironische Gemälde „Faultieroma mit Tigerbaby“, an dem nicht weniger als zehn verschiedene Urheber mitgewirkt haben. Dem Faultier begegnet man gleich in mehreren Arbeiten, es ist fast schon das Wappentier des „Isolation Camp“, was nicht heißen will, dass man langsam oder nicht produktiv wäre, sondern dass Arbeiten so viel Spaß macht, dass es locker und entspannt vonstatten geht. Wenn Illustration auf Schlagzeug, Malerei auf Kalligrafie, oder Comic auf die Regenbogenforelle aus dem Teich hinter der Hütte trifft, dann ufert das in kreative Begegnungen aus, die in ihrer Ungekünsteltheit auch dem Betrachter viel Freiraum lassen.

In den Camps funktioniert man in der Gruppe. Dadurch entsteht ein Automatismus und ein Wir-Gefühl.

Tobias Ludescher

Die Ausstellung ist im Palais Liechtenstein, Schlossergasse 8 in Feldkirch, bis 6. Dezember geöffnet, Mi bis Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa und So,
10 bis 13 Uhr.