Lehár mit viel Lust und Liebe

01.11.2015 • 18:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Als vergnügliche Show angelegt, hat die Operette „Die lustige Witwe“ begeistert. FotoS: Erhard Sprenger 
Als vergnügliche Show angelegt, hat die Operette „Die lustige Witwe“ begeistert. FotoS: Erhard Sprenger

 

Die „Lustige Witwe“ der Unterhaltungsgruppe Ludesch, die hat etwas.

Ludesch. Dass die Zuschauertribüne im Blumeneggsaal in Ludesch dem enthusiastischen Stampfen des Publikums standhielt, ist ausschließlich der stabilen Arbeit der Handwerker zuzuschreiben, die wohl extrastarke Verstrebungen einbauten. Denn eines war nach gut zweieinhalb Stunden Operettenunterhaltung klar: Begeistert waren alle.

Das liegt zum einen natürlich an Franz Lehárs Musik, zu der er die „Lustige Witwe“ tanzen lässt, andererseits am engagiert spielenden und singenden Ensemble der Unterhaltungsgruppe Ludesch, und natürlich am Solisten-Quintett. Das setzte sich aus bekannten Gesichtern, man denke an Christine Schneider (Sopran), an Gabriele Hronek (Sopran), Michael Kurz (Tenor) und Hubert Köb (Bariton) und auch einem Neuzugang, dem Bariton Thomas Weinhappel als Graf Danilo, zusammen. Und dabei gilt es zu sagen: schön, dass in Ludesch die Mischung immer wieder gelingt.

Hubert Köb stand die Rolle des tapsigen Diplomaten Baron Zeta hervorragend. Es amüsierte köstlich, zu beobachten wie Gabriele Hronek (als seine Gattin Valencienne) mit ihrem Kavalier Camille de Rosillon (Michael Kurz) schäkerte und sich Christine Schneider (als millionenschwere Hanna Glawari) und Thomas Weinhappel (als Graf Danilo Danilowitsch) neckten. Man hörte also bei der Ludescher „Witwe“ ein Solisten-Quintett, das sich stimmlich gut aufeinander einließ und es verstand, mit Ausdruck, Gefühl und reichlich Witz miteinander Operette zu machen. Heimlicher Star war, wie könnte es auch anders sein, natürlich die titelgebende lustige Witwe in der Person von Christine Schneider. Schön, dass man derartige Stimmen hier im Land hören kann. Vor allem dann, wenn sie wie in Ludesch auf so humorvolle Art und Weise der Liebe auf der Spur sind. Da geht es um Frauen und Männer mit vielen Vorzügen und einigen menschlichen Schwächen. Mittendrin sind der Graf Danilo, Lebemann, notorisch pleite und mit einer unbändigen Angst vor jeglicher Arbeit ausgestattet, und Hanna Glawari, die Danilo ja eigentlich liebt, die er aber aus Standesdünkel zunächst sitzen ließ. Aus Trotz heiratete sie einen deutlich älteren Bankier und wurde nach dessen Tod millionenschwer.

Charmante Stockfische

Ab diesem Zeitpunkt geht es nur noch darum, wer sich die Millionen durch Heirat sichert und wer wem zuerst entlockt, dass man sich auch abseits der großen Erbschaft durchaus sympathisch fände. Und da gilt: Grafen sind Stockfische, reiche Witwen aber auch. Überhaupt steht fest, dass der Operettenabend auch dank der unkapriziösen, aber äußerst sympathischen Regieführung des Tirolers Norbert Mladek so schwungvoll wurde. Er ist seit einigen Jahren so etwas wie der Haus-und Hofregisseur der Unterhaltungsgruppe geworden und versteht es, mit einzelnen kleinen Tricks und Kniffen einer Laientruppe wie der Unterhaltungsgruppe die nötige Leichtigkeit und Unbeschwertheit zu geben, die eine Operette braucht. Das liegt sicher auch an der geschickt geführten Choreografie von Christine Hefel, die die Chorsänger nicht nur auf der Bühne hin und her schiebt, sondern zum Teil des Geschehens werden lässt.

Die Musik steuert das eigens zusammengestellte Ludescher Operettenorchester unter Benjamin Pontius bei und reißt damit einfach alle mit. Schade eigentlich, dass sich die Damen und Herren Musiker komplett hinter den Bühnenaufbauten versteckt hielten. Das Konzept dämpfte das Musikerleben doch etwas und so bleibt zu wünschen, dass die Musiker beim nächsten Operettenprojekt dann wieder ihren Platz mitten im Geschehen finden. Dort finden zum großen Finale dann alle zueinander. Und wenn die „Lustige Witwe“ dann ihre Millionen für heuer verprasst hat, darf man schon auf das nächste Operettenprojekt gespannt sein.

Weitere Aufführungen der „Lustigen Witwe“ in der Blumenegghalle in Ludesch am 7., 8., 14., 15., 21. und 22. November: www.ugl.at Dauer: 2,5 Stunden, eine Pause.