Orgelfest für Wagnerianer

Kultur / 01.11.2015 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jürgen Natter und Stefan Susana in der Herz-Jesu-Kirche. Foto: JU
Jürgen Natter und Stefan Susana in der Herz-Jesu-Kirche. Foto: JU

Jürgen Natter und Cellist Stefan Susana boten bewegende Klangerlebnisse.

BREGENZ. Schon nach den ersten Takten leuchtet der berühmte „Tristan-Akkord“ auf, Richard Wagners Markenzeichen. Die Konzertbesucher in der Herz-Jesu-Kirche nicken sich verständnisvoll zu: Man kennt die Tonsprache des Meisters, auch wenn diese hier völlig anders klingt, zelebriert auf der historischen Behmann-Orgel mit einer bisher nicht erlebten bombastischen Klangwirkung im weiten Kirchenraum.

Wagners Musik ist wie geschaffen für die Orgel. Jürgen Natter (34), der wohl aufregendste junge Organist des Landes, hat das schon lange erkannt, bevor ihn der Vorarlberger Richard Wagner-Verband im Vorjahr zu seinem Stipendiaten erkor und zu Opern nach Bayreuth schickte. Zu seinem Konzert am Wochenende bei „Musik in Herz-Jesu“ als Dankeschön an die zahlreich erschienenen heimischen Wagnerianer holt sich Natter den Cellisten Stefan Susana (44) mit ins Boot, Stipendiat des Jahres 2000. Gemeinsam erfinden die beiden einen dichten, vielfach vernetzten Spannungsbogen mit Wagners „Tristan und Isolde“ als Zentrum.

„Tristan“ und „Tannhäuser“

Natter nimmt dabei Rücksicht auf die voluminöse Akustik und erreicht durch Zurücknahme der Tempi umso größere Wirksamkeit. Er lässt sich auch durch gewisse technische Tücken der über 80-jährigen elektropneumatischen Orgel nicht aus dem Konzept bringen, nutzt dafür in liebevoller Detailarbeit jene Möglichkeiten aus, wofür sie nach damaligem Zeitgeschmack und Klangideal konzipiert wurde: zur originalgetreuen Darstellung der Farben eines Symphonieorchesters mit Streichern, Blech und Holz.

Die gerade bei dieser Musik unabdingbare stufenlose Dynamik erreicht er durch virtuoses Bedienen der Schweller. Der Eindruck ist umwerfend, wenn sich gleich am Beginn das „Tristan“-Vorspiel aus zarten Einzelstimmen zu mächtigen Klangkaskaden auftürmt, wenn Liszts depressive Variationen über ein Bach-Thema mit Seufzermotiven in ein ergebenes „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ münden. Stefan Susana bringt auf seinem Instrument mit zweien der „Wesendonck-Lieder“ Wagners unendliche Melodie ins Spiel, wunderbar eingebettet in die ihn umgebenden warmen Stimmen der Orgel und auch ohne Text sehr aussagekräftig.

Das „Perger“ Präludium entlarvt Anton Bruckner als Wagner-Epigonen. Natter unterstreicht diesen Eindruck, führt ihn in einer packenden Improvisation zurück zum Ursprung des Programms mit „Isoldes Liebestod“: „Mild und leise, wie er lächelt“ stimmt das Cello versonnen mit ein. Die begeisterten Zuhörer lösen sich nur schwer von solchen Klangerlebnissen und erhalten mit der Arie auf den „Holden Abendstern“ aus „Tannhäuser“ auf Cello und Orgel einen überirdisch schönen Ausklang.

Nächstes Konzert bei „Musik in Herz-Jesu“: 21. November, 19.30 Uhr , Dvoraks Messe in D (Kornmarkt-Chor, Leitung Wolfgang Schwendinger, Helmut Binder, Orgel)