Ein stilvoller Schurke lässt Bond erst so richtig glänzen

Kultur / 03.11.2015 • 18:40 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Daniel Craig als James Bond, Agent 007. Regisseur Sam Mendes beschreibt Bond in „Spectre“ als besonders fokussiert, der seinem wiederentdeckten Jagd­instinkt wieder positive Seiten abgewinne.
Daniel Craig als
James Bond, Agent 007. Regisseur Sam Mendes
beschreibt Bond in „Spectre“ als besonders fokussiert, der seinem wiederentdeckten Jagd­instinkt wieder positive Seiten abgewinne.

Der Österreich-Aspekt im neuen Bond ist groß: Tolle Drehorte und Christoph Waltz macht 007 die Hölle heiß.

Action. Kann man heute einen James-Bond-Film aus den 60er-, 70er- oder auch 80er-Jahren halbwegs ernst nehmen? James Bond hätte in der Mottenkiste landen können. Aber dann kam Daniel Craig. Er rettete nicht nur die Welt, wie es sich für Bond gehört, sondern auch die Marke 007. Nach dem Erfolg von „Skyfall“ vor drei Jahren musste das Team nachlegen. Mit „Spectre“ hat es geliefert.

„Man weiß, was man bekommt, aber es ist jedes Mal ein bisschen anders“, erklärte Ben Whishaw, der seit „Skyfall“ den MI6-eigenen Nerd und Bastler spielt, das Erfolgsrezept. Seit mit „Casino Royale“ 2006 buchstäblich eine neue Bond-Zeitrechnung angefangen hat, bekommen die Zuschauer nicht mehr nur Verfolgungsjagden, schöne Frauen und Schurken, die am Ende verlieren. Auch Bonds Vergangenheit ist ein zentrales Erzählelement.

So auch in „Spectre“. Der Film schließt an den Tod von MI6-Chefin M (Judi Dench). Sie hat dem Agenten mit der Lizenz zum Töten einen Auftrag hinterlassen. Dieser brockt Bond allerhand Ärger mit seinem Arbeitgeber ein, beschert den Zuschauern aber eine erste atemberaubende Actionszene in einem Hubschrauber über Mexiko-Stadt.

Der neue M (Ralph Fiennes) ist deshalb sauer und suspendiert Bond vom Dienst. Was diesen natürlich nicht davon abhält, einer geheimen Terrororganisation mit Oktopus-Logo auf die Spur zu kommen – „Spectre“. M hat derweil eigene Probleme: Mit Max Denbigh oder auch C taucht ein Bürokrat auf der MI6-Bildfläche auf, der nicht an Doppelnull-Agenten glaubt, sondern an Kontrolle durch totale, international vernetzte Überwachung.

Brillanter Bösewicht

Das klingt nach NSA und GSHQ, Prism und Tempora. Regisseur Sam Mendes setzt das Thema Datensicherheit und Überwachung kühl und furchteinflößend in Szene. Nicht mehr die stärksten Waffen geben Menschen Macht, sondern Information. C weiß alles und hört alles. Außerdem ist Andrew Scott eine herrlich boshafte Bereicherung für die Seite der Bösen. Auch wenn Bonds Widersacher natürlich ein anderer ist. Um die Personalie des Österreichers Christoph Waltz und seine Rolle als Franz Oberhauser rankten sich vorab die meisten Spekulationen. Am Talent des 59-Jährigen, Fieslinge zu spielen, zweifelt seit Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ niemand. „Die Bösen machen dann am meisten Angst, wenn sie ganz normal aussehen“, sagte der zweifache Oscar-Preisträger. Das setzt er in „Spectre“ mit Bravour um. Vom ersten Licht, das in einem Palazzo auf sein Gesicht fällt, über das „Kuckuck“, das er Bond bei der ersten Begegnung entgegen flötet, bis zur albtraumhaften Szenerie, die er für seinen Intimfeind in der verlassenen MI6-Zentrale entwirft: Waltz ist ein meisterhaft stilvoller Schurke, der Bond erst richtig glänzen lässt. Nicht zuletzt in der Folterszene.

Männlich und verletzlich

Daniel Craigs Bond ist ein Gentleman, männlich und humorvoll, aber verletzlich. Er trägt schwer an der Last seiner Vergangenheit und scheut keinen Körpereinsatz. Auf der langen Liste der Blessuren, die Craig sich bei seinen vier Bond-Filmen zugezogen hat, steht nun eine Knieverletzung mehr. Der Schauspieler musste nach einer Nahkampf-Szene sogar operiert werden. Die schönen Frauen an Bonds Seite sind diesmal die italienische Witwe Lucia Sciarra (Monica Bellucci) und die Psychologin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Beide brauchen Schutz, wie sich das für ein Bond-Girl gehört, aber beide haben auf ihre Art Stil und Courage.

Was macht diesen Film so gut? Nicht die Logik der Handlung oder die psychologische Tiefe, schließlich ist „Spectre“ ein Bond-Film. Es ist das Gesamtpaket. Daniel Craig und Christoph Waltz in Bestform, funktionierende Gags ohne Albernheit, spektakuläre Stunts und Materialschlachten ohne Größenwahn, großartige Filmmusik, beeindruckende
Aufnah-

men aus
Mexiko,

Rom,

London

und den österrei-

chischen

Alpen.

Rund 280 Millionen Euro soll „Spectre“ gekostet haben. Das macht sich bezahlt, in der ersten Woche (in London hatte der 24. Bond bereits Premiere) wurden 58 Millionen Euro eingespielt.

Christoph Waltz als Franz Oberhauser, eine mysteriöse Figur innerhalb der Organisation SPECTRE, der behauptet, eine persönliche Verbindung zu Bond zu haben.
Christoph Waltz als Franz Oberhauser, eine mysteriöse Figur innerhalb
der Organisation SPECTRE, der
behauptet, eine persönliche
Verbindung zu Bond zu haben.
Léa Seydoux als Dr. Madeleine Swann, eine Psychologin, die in einer privaten Klinik in den österreichischen Alpen arbeitet.
Léa Seydoux als Dr. Madeleine
Swann, eine Psychologin, die in
einer privaten Klinik in den
österreichischen Alpen arbeitet.
Dave Batista als Mr. Hinx, ein Killer und ein hochrangiges Mitglied von SPECTRE.
Dave Batista als Mr. Hinx, ein Killer und ein hochrangiges Mitglied von SPECTRE.
Monica Bellucci als Lucia Sciarra, die Witwe eines Mörders, der von Bond getötet wurde.
Monica Bellucci als Lucia Sciarra,
die Witwe eines Mörders,
der von Bond getötet wurde.
Andrew Scott als Max Denbigh, ein Mitglied der britischen Regierung.
Andrew Scott als Max Denbigh,
ein Mitglied der britischen Regierung.