Mozart als Hoffnungsträger

Kultur / 03.11.2015 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aufführung des Mozart-Requiems unter Benjamin Lack in der Wallfahrtskirche Bildstein. Foto: JU
Aufführung des Mozart-Requiems unter Benjamin Lack in der Wallfahrtskirche Bildstein. Foto: JU

Sein Requiem berührte unter Lack in Bildstein durch ergreifende Schlichtheit.

BILDSTEIN. Wenn man noch vor wenigen Jahren von einem Aufführungszentrum für das Mozart-Requiem in Vorarlberg sprach, dann war das Lustenau mit Manfred Honecks Konzerten am Karfreitag. Weit weniger pompös, dafür von ergreifender Schlichtheit und eingebettet in einen katholischen Gottesdienst gab es dieses Werk heuer bereits zum siebten Mal am Abend des Allerseelentages in der Wallfahrtskirche Maria Bildstein.

Zwischen diesen Traditionen besteht keinerlei Konkurrenzdenken, und sie werden aller Voraussicht nach auch noch auf unbestimmte Zeit weiter bestehen. Denn das Mozart-Requiem gehört zu jenem schmalen Repertoire von Werken, die einem auch nach oftmaligem Hören niemals auf die Nerven gehen. Das ist schwer festzumachen, aber es sind Dinge wie der schmerzliche Aufschrei des verminderten Septakkordes, den Mozart genau dort eingesetzt hat, wo man sich denkt, jetzt klingt das „Kyrie“ beschaulich traurig aus. Oder eine Jahrhundertmelodie wie das „Lacrimosa“, die einem auch auf dem Heimweg nicht und nicht aus dem Kopf will.

Die in Bildstein lebende Sängerin und Pädagogin Birgit Plankel-Giselbrecht hat diese Idee von ihrem Studium in Wien mitgebracht und hier erstmals 2009 mit dem Verein „Kultur in Bildstein“ verwirklicht. Auch diesmal ist die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt, erbringen Projektchor und -orchester, die man eigentlich als Ad-hoc-Ensemble bezeichnen müsste, Leistungen, die einem größten Respekt abverlangen. Es sind durchwegs profilierte Sänger, auch bekannte Gesichter aus namhaften Chören, Musiker aus dem SOV und dem Collegium Instrumentale. Wer hier einmal Blut geleckt, sich von der besonderen Atmosphäre dieses Abends anstecken hat lassen, der kommt immer wieder.

Sinn für Wirkung

Da genügen Benjamin Lack zwei Verständigungsproben, und das Requiem, hier übrigens in der ergänzten Süßmayr-Version, ist sofort wieder auf Schiene. Lack hat mit seinem ausgeprägten Sinn für Wirkung dieses Projekt von Anfang an mitgetragen und ihm trotz seiner vielen Verpflichtungen bis heute die Treue gehalten. Er modelliert den fast 50-köpfigen Chor ganz ohne Pathos in fließenden Linien und frischer Natürlichkeit, langt aber bei den komplexen Fugen ordentlich zu und bringt auch die notwendige Balance und Schlagkraft mit dem Orchester zuwege. Damit strahlt Mozart hier neben der Trauer auch jene Hoffnung aus, die Pfarrer Paul Burtscher als Leitgedanken dieses Werkes im christlichen Glauben bezeichnet.

Das zum Teil neu besetzte Solistenquartett wird wie gewohnt vom lyrisch weichen, schön geführten Sopran Birgit Plankels angeführt, die in ihren Soli viel Wärme und Innigkeit vermittelt. Die Altistin Veronika Dünser, der Tenor Stefan Giesinger und der junge Bass Johannes Schwendinger ergänzen das überzeugende Ensemble, vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert.