Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Das SOV wirft Fragen auf

Kultur / 04.11.2015 • 21:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor ein paar Jahren noch trat die inzwischen ausgewechselte Leiterriege des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV) äußerst forsch an die Öffentlichkeit. Der Subventionsbedarf sei in etwa doppelt so hoch als jene Summe, die vom Land in die Kassen des Klangkörpers kommt. Eduard Konzett, der damalige Präsident, war kein Freund von Herumgerede. Er legte die Fakten auf den Tisch, die da auch lauteten, dass die Gagen, die man den Musikern bezahlen konnte, an sich erbärmlich sind. Er wurde gehört und das Problem wurde erkannt. Nach einer sukzessiven Anhebung der Zahlungen landete man bald bei einer Summe von rund 400.000 Euro, nun sind es 510.000 Euro, die das Land Vorarlberg für „sein“ Orchester aufwendet.

Auf der Seite der Gagen ist der Vergleichswert allerdings nicht so hoch. Zehn Prozent betrug die Steigerung in den letzten Jahren. Das heißt, dass ein Musiker des Symphonieorchesters für eine Probe oder eine Aufführung zwischen 55 und 120 Euro bekommt. Da braucht es schon viel Liebe zur Musik oder, bei den Jüngeren, die Erkenntnis, dass eine Mitwirkung an Projekten auch eine verwertbare Erfahrung ist. Ob die Fluktuationsquote beim SOV niedrig bleiben kann, hängt also auch davon ab, welche Einnahmequellen ein Orchestermitglied sonst noch hat, etwa als Musiker in anderen Ensembles oder als Pädagoge. Beim Orchester angestellt ist nämlich keiner der Instrumentalisten.

Die Fans bei der Stange zu halten, ist somit auch eine Überlebensnotwendigkeit des Vorarlberger Landesorchesters. Man hat derzeit rund 1.800 Abonnenten (Chapeau!) und versucht, diese nicht zu vergraulen.

Wenn die Pflege des zeitgenössischen Musikschaffens im Abo-Programm so gut wie nicht stattfindet, muss vielleicht auch einmal gefragt werden, was mit dem Publikum im Land los ist. Entwickelt es wirklich sofort Fluchtmechanismen, wenn ein Werk eines noch lebenden Künstlers aufgeführt wird? Wenn man bedenkt, wie viel klassisches und romantisches Repertoire über das Land, in dem noch zahlreiche weitere Abo-Reihen neben dem SOV existieren, ausgeschüttet wird, ergibt sich Fragwürdiges. Im subventionierten Sprechtheaterbereich wäre derartiges Festklammern an der Vergangenheit schlicht undenkbar.

An die Subventionsvergabe des Landes sind Auflagen gebunden. Das SOV soll beispielsweise mit dem Konservatorium kooperieren, also entsprechend qualifizierte Absolventen übernehmen. Die Politik hat sich nicht konkret in die Programme einzumischen, es ist aber angebracht, auf ein beinahe durchgehendes Negieren der Gegenwart hinzuweisen.

Entwickelt das Publikum wirklich sofort Fluchtmechanismen, wenn ein Werk eines noch lebenden Künstlers aufgeführt wird?

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225