Junge Leute ertanzen sich eine bessere Welt

Kultur / 04.11.2015 • 21:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tanzprojekt „Through the open door“ am Dornbirner Spielboden. Foto: Stiplovsek
Tanzprojekt „Through the open door“ am Dornbirner Spielboden. Foto: Stiplovsek

Akteure und Zuseher sorgten für schönsten und berührendsten „Tanz ist“-Auftakt.

Christa Dietrich

Dornbirn. Gegen Ende konnte sich ein noch ganz kleiner Mann im Publikum nicht mehr zurückhalten. Seine spontane Mitwirkung zum Finale der Produktion „Through the open door“ hat die spezielle Aufführung, mit der Günter Marinelli sein „Tanz ist“-Festival am Dornbirner Spielboden eröffnete, jedenfalls gekrönt. Ein leicht östlich angehauchter, rhythmischer Sound mag es wohl gewesen sein, der seine so ergreifende Reaktion auslöste. Abgesehen davon stand fest, dass der Spielboden gestern nicht nur mit Jugendlichen brechend voll besetzt war, auch in Vorarlberg lebende Flüchtlinge waren eingeladen, sich mit einem Projekt auseinanderzusetzen, das dokumentiert, wie sich neben manch fragwürdigen Reaktionen im Rahmen der Asylthematik auch immer wieder Humanität zeigt.

Erstaunlich

Für diese steht mit Darrel Toulon der langjährige Ballettdirektor der Grazer Oper. Er hat in der Steiermark mit jungen Menschen aus verschiedenen Ländern, die unbegleitet nach Österreich kamen (also als Minderjährige ihre Heimat verlassen mussten) ein Tanzprojekt erarbeitet. Es war für drei Aufführungen geplant und hat derart begeistert, dass es inzwischen schon über ein Dutzend sind. In den filigran eingestreuten Textpassagen konfrontiert „Through the open door“ konkret mit einzelnen Schicksalen. Genauso aufrüttelnd wie diese Erzählungen sind jedoch einerseits das Gestenvokabular, mit dem nun junge Tänzer Sehnsüchte, aber auch Ängste begreifbar machen, und andererseits eine Bildsprache, die komplexer kaum sein könnte. Mit einfachen Stühlen werden frei von Banalität Gefängnisse oder offene Zugänge gebaut, die Choreografie reiht bruchlos Solo- und Ensembleauftritte aneinander, und die tänzerischen Einzelleistungen lassen sowieso staunen.

Das „Tanz ist“-Festival am Dornbirner Spielboden dauert noch bis 7. November. Freitag und Samstag: Simon Mayer mit „Sons of Sissy“.