Die Stille als eine fast spirituelle Erfahrung

05.11.2015 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das ausgeführte Siegerprojekt stammt von Johanna Unterreiner, Lena Zwischenbrugger, Matthias Märk und Sebastian Lorenzi.   Foto: Egger
Das ausgeführte Siegerprojekt stammt von Johanna Unterreiner, Lena Zwischenbrugger, Matthias Märk und Sebastian Lorenzi.   Foto: Egger

Junge Wettbewerbs­sieger präsentieren sich nun in der Johanniterkirche.

FEldkirch. Stille tut not. Ein Innehalten im Dauerlärm, dem wir tagtäglich ausgesetzt sind, ein Moment der Ruhe im permanenten digitalen Kommunikationsoverflow aus SMS und Mails. Einen solchen Augenblick will die aktuelle Installation in der Johanniterkirche herbeiführen.

32 Einreichungen

Wird die Kirche seit rund zwei Jahrzehnten normalerweise von zeitgenössischen internationalen und österreichischen Künstlern bespielt und häufig für raumbezogene Installationen genutzt, so ist diesmal das Siegerprojekt aus dem Nachwuchskunstwettbewerb „Junge Vilde“ zu sehen. Zum zweiten Mal nach 2011 von der Stadt Feldkirch, der Sparkasse Feldkirch und den Organisatoren der Johanniterkirche (nach der Gründungskuratorin Eva Jakob hat Arno Egger führende Aufgaben übernommen) für die Oberstufen der Vorarlberger Schulen ausgeschrieben, unterstützt vom Land Vorarlberg und dem Landesschulrat, sollten sich die Schüler mit dem Thema „Stille – ein Ort der Sehnsucht“ auseinandersetzen. „In einer Zeit, wo alles schnell und laut ist, wo wir von Bildern und Tönen überflutet werden, ist die Stille zu einem Sehnsuchtsort geworden“, sagt Kurator Arno Egger. Aber sehen Jugendliche das auch so? 32 Entwürfe und Einreichungen, von Schulen in Egg, Bregenz, Dornbirn, Bludenz, Götzis und Feldkirch bestätigen das Interesse und die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie schon 2011, als das Motto „Zukunft“ lautete und ein Video als Sieger aus dem Wettbewerb gegangen ist, sei die Qualität der eingereichten Arbeiten auch diesmal wieder erfreulich hoch gewesen, so Arno Egger. „Die Schülerinnen und Schüler gehen erstaunlich professionell ans Werk. Wer gewinnen will, muss ein schlüssiges Konzept haben, das zur Johanniterkirche als Ausstellungsort passt.“ Unter den Entwürfen waren u. a. ein Steg, der durch die Kirche auf einen Spiegel zu führt und den Betrachter auf sich selbst zurückwirft,  oder ein Riesenschneckenhaus als Zufluchtsort.

Breit aufgestellte Jury

Von der Jury, bestehend aus Thomas Häusle (Kunstraum Dornbirn), Veronika Fehle (Pressebüro der Katholischen Kirche Vorarlbergs), Karin Guldenschuh (Kommunikation Johanniterkirche) und Arno Egger (Kurator Johanniterkirche) wurde letztlich jedoch die Einreichung des vierköpfigen Teams von Johanna Unterreiner, Lena Zwischenbrugger, Matthias Märk und Sebastian Lorenzi mit dem ersten Preis, dotiert mit 1000 Euro, ausgezeichnet. Als Modell von den 15- und 16-jährigen Schülern der 6. Klasse des BORG Götzis, an das auch die beiden anderen Anerkennungspreise gehen, eingereicht, wurde das Objekt zusammen mit Arno Egger und dem Bildhauer Roland Adlassnigg in den vergangenen Tagen realisiert.

 Eine goldene Badewanne

Den unbestrittenen Blickfang des Siegerprojekts bildet eine goldene Badewanne, die an diesem besonderen Ort auch eine besondere Aura bekommt. Das gelbgolden schimmernde, 180 Zentimeter lange, ovale Behältnis steht in der Mitte des Altarraumes. Über einen Holzsteg mit rotem Teppich gelangt der Besucher durch das Kirchenschiff dorthin.

Die Stille wird als feierlicher Moment zelebriert, auf den man sich einlassen muss, unterbrochen lediglich vom Geräusch eines Wassertropfens, der, basierend auf eine ausgetüftelte Einrichtung, aus zwölf Metern Höhe von der Decke in die Badewanne fällt. Die Ruhe und das monotone Tropfgeräusch, das die Stille dazwischen erst wirklich erlebbar werden lässt, können im Sakralraum zu einer fast spirituellen Erfahrung werden. Und sie zeigen, dass, um die Stille zu hören, auch der Ton notwendig ist.

In einer Zeit, wo alles schnell ist, ist die Stille zu einem Sehnsuchtsort geworden.

Arno Egger.

Es ist eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie aus einem Modell ein richtiges Objekt wird.

Johanna Unterreiner

Die Ausstellung wird heute,
6. November, 20 Uhr, in der Johanniterkirche, Marktgasse, in Feldkirch eröffnet. Geöffnet bis 23. Dezember, Di bis Fr, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr.