In eine Männerdomäne hörbar vorgedrungen

Kultur / 06.11.2015 • 21:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Berit Cardas, Violine, Klaus Christa, Viola, Björg Vaernes Lewis, Violoncello, und Akiko Shiochi, Klavier, in der Pforte. Foto: Jurmann
Berit Cardas, Violine, Klaus Christa, Viola, Björg Vaernes Lewis, Violoncello, und Akiko Shiochi, Klavier, in der Pforte. Foto: Jurmann

In der „Pforte“ ging es wieder um komponierende Frauen im
19. Jahrhundert.

FELDKIRCH. (ju) Klaus Christa ist wieder fündig geworden. Sein Spürsinn brachte zum wiederholten Mal zwei vergessene Komponistinnen des 19. Jahrhunderts mit ihrer Kammermusik ins Scheinwerferlicht des jüngsten „Pforte“-Konzerts im Konservatorium.

Seit Jahren forscht der Kurator dieser Reihe mithilfe eines Netzwerks von Freunden und Musikfachleuten nach Frauen, die partout zu einer Zeit komponieren wollten, als dies als absolut unschicklich galt und gesellschaftlich verpönt war. Der bekannteste Name in der Reihe seiner bisherigen Entdeckungen ist die Französin Melanie Bonis, über die Christa inzwischen ein Buch schreibt. Diesmal präsentiert er die Schwedin Elfrida Andrée (1841-1929) und die Französin Louise Farrenc (1804-1875), die beide aus sehr liberalen Elternhäusern stammten und entsprechendes Durchsetzungsvermögen bei ihren künstlerischen Ambitionen bewiesen.

Elfrida Andrée wollte dezidiert Musik „nicht für Salonschmeicheleien“ schreiben, sondern um Anerkennung zu erringen. Sie trat nicht nur als Kämpferin für die Rechte der Frau auf, sondern drang nach vielen Widerwärtigkeiten sogar in eine absolute Männerdomäne im kirchlichen Bereich vor: als Organistin, Dirigentin und Pädagogin, damals eine für die Obrigkeit nur schwer akzeptable Konstellation. Zudem organisierte sie „Volkskonzerte“ mit klassischen Werken für die breite Bevölkerung. Ihre eigene Musik in einem Klavierquartett in a-Moll von 1870 lebt anfänglich von blühender Fantasie und romantischem Melos, bleibt aber etwas harmlos. Erst der dritte Satz besitzt mit seiner Ausdruckskraft die glühende Leidenschaftlichkeit des jung verliebten Robert Schumann und ist ein mitreißender Wurf.

Mit Inbrunst

Das Ensemble mit Berit Cardas, Violine, Klaus Christa, Viola, Björg Vaernes Lewis, Violoncello, und Akiko Shiochi, Klavier, legt viel Inbrunst und Feuer in diese Wiedergabe und wird beim nächsten Werk noch mehr gefordert. Denn das Klavierquintett Nr. 1 a-Moll der auch als Pianistin tätigen Louise Farrenc ist ein weit gewichtigeres, nun klarerweise vor allem für das Klavier höchst virtuoses viersätziges Stück, das in seiner klanglichen und melodischen Schönheit, seiner Noblesse und Intensität an den Zeitgenossen Johannes Brahms erinnert und einen Robert Schumann beeindruckt hat. Ein Entstehungsjahr gibt es nicht, aber eine Parallele zu Schuberts „Forellenquintett“, das in genau dieser Besetzung nun keine Rarität mehr ist. Und das Erstaunen darüber, wie ein solches Meisterwerk bis heute unerkannt in irgendeinem Archiv verstauben konnte, bis Klaus Christa es entdeckte.

Hier gesellt sich mit Leon Bosch am Kontrabass erstmals einer der prominentesten Musiker Südafrikas zum Ensemble, der als Flüchtling 15 Jahre in London gelebt und mit den bekanntesten Orchestern und Kammermusikpartnern gewirkt hat. Als aufrüttelnden Kontrapunkt zwischen den beiden Werken spielt er das ihm gewidmete Werk „Shosholoza“ der britischen Komponistin Roxanna Panufnik, die Verarbeitung eines bedrückend tristen Arbeiterliedes der einheimischen Bevölkerung Südafrikas beim Eisenbahnbau.

Wiederholung: 7. November, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau. Letztes „Pforte“-Konzert der Saison: 11. Dezember, 20 Uhr, Landeskonservatorium Feldkirch, Kantaten und Kammermusik im Advent.