Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wurde das Land so gemacht?

06.11.2015 • 20:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Ausstellung „Making-of“ im vierten Stock des vorarlberg museum geht nach einer Überarbeitung in die zweite Runde. Diese Präsentation soll zeigen, „wie Vorarlberg gemacht wurde“. Eines kann man nach eingehendem Besuch feststellen: So einfach wurde unser Land nicht „gemacht“, so nicht – und schon gar nicht so, wie man uns das in der vor zwei Jahren eröffneten ersten Auflage der Ausstellung weismachen wollte.

Vor einigen Tagen konnte man am Ende der Ausstellung eine Liste der Verantwortlichen dieser Schau lesen. Danach liegt die Projektleitung bei Direktor Andreas Rudigier, Markus Barnay und Beat Gugger scheinen als Kuratoren, also inhaltlich Zuständige auf. Beim letzten Besuch (Donnerstag) war diese Tafel nicht mehr zu finden. Die Verantwortlichkeiten bleiben aber, so darf man annehmen, aufrecht.

In einem Punkt hat die überarbeitete Form der Ausstellung gegenüber der ersten Präsentation gewonnen: Sie wurde deutlich von Ausstellungsstücken entkleidet, damit übersichtlicher, lockerer. Dieser Vorteil hat einen Nachteil: Die Schwächen der Ausstellung werden umso deutlicher sichtbar. Das beginnt bereits beim Eintritt, indem dem Besucher vorgegaukelt wird, dass hier die Veränderungen zwischen den beiden Ausstellungen deutlich gemacht würden, dass man auch bisherige Kritik zeige. Beides ist nicht der Fall, weil schlicht eine dazu notwendige Dokumentation fehlt.

Die Ausstellungsgestaltung folgt einfachen Prinzipien: Vitrinen, Stellwände, dazwischen auch Videos und Hör­stationen. Allerdings kann man die Geschichte Vorarlbergs auch diesmal nicht nachvollziehen, viel zu sehr bleiben die Ausstellungsartefakte und die behandelten Themen Stückwerk, das oft nicht logischen Linien zu folgen scheint. Manches ist mehr vertreten als notwendig, anderes bleibt unterbelichtet. Einiges – etwa eine riesige Stellwand mit Dialektsprüchen und vorwiegend Montafonerwitzen – wirkt geradezu banal und peinlich. Dafür bleibt für wesentliche Dinge der Landesgeschichte kaum mehr Raum, die Verantwortlichen begnügen sich beispielsweise beim Ersten Weltkrieg, bei der Zwischenkriegszeit, beim Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg mit kargen Präsentationen, die nicht dem Verständnis dieser Zeit dienen können.

Fazit: Der zweite Aufguss von „Making-of“ hat in der Sache kaum etwas gebracht. Das soll später aber noch genauer erläutert werden.

Der zweite Aufguss von ,Making-of‘ hat in der Sache kaum etwas gebracht.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.