Jodeln können sie ebenso gut

08.11.2015 • 18:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Landesjugendchor „Voices“ unter Oskar Egle holte sich für das neue Projekt die Musiker Lorenz Raab (Bild) und David Helbock ins Boot. Foto: VN/cd
Der Landesjugendchor „Voices“ unter Oskar Egle holte sich für das neue Projekt die Musiker Lorenz Raab (Bild) und David Helbock ins Boot. Foto: VN/cd

Landesjugendchor „Voices“ präsentierte enormes Repertoire und Temperament.

Christa Dietrich

Götzis. Wenn neben jugendlichen Sängern auch noch der Pianist David Helbock und der Trompeter Lorenz Raab mit im Boot, pardon, mit auf dem Podium sind, dann ist das Publikum sowieso kaum zu halten. Die Götzner Bühne AMBACH gehörte am gestrigen Sonntag jedenfalls dem Vorarlberger Landesjugendchor „Voices“. Warum die Sänger von Oskar Egle auf derart viel Gegenliebe stoßen, war rasch klar, dass sie es tun, hatte zufolge, dass gleich zwei Konzerte angesetzt werden mussten.

Mit „The Magic Paint Brush“ von John Høybye und „Musica noster amor“ von Jacobus Gallus, zwei Nummern, die im Programm aufeinander folgten, aber gegensätzlicher kaum sein können, steht schon einmal fest, dass es sich „Voices“, der seit zwölf Jahren existierende Pool der Besten, alles andere als leicht macht. Die poetische Paint-Brush-Erzählung fordert perfektes Aufeinanderhören und sollte, wenn alles gut geht, in einem überirdischen Klangbild gipfeln. Die europäische Spitzenchorszene bietet reichlich Vergleiche und somit kann gesagt werden: Es ging alles gut. Mit Jacobus Gallus pokert Chorleiter Oskar Egle hoch und kann immerhin zeigen, dass sich seine profund gebildeten jungen Stimmen auf sehr gutem Kurs befinden. Es fehlt nur noch etwas Brillanz zur absoluten Meisterschaft, die man in diesem Fall aber erst ab einer gewissen Reife erreichen kann.

Ein Parforceritt

Voices hat es sich somit zur Aufgabe gemacht, sich nicht nur ein zu erwartendes Jugendchorrepertoire zu erarbeiten, man sucht die Herausforderung und stellt sich breit auf. Das reicht dann auch bis zum Jodler. Für das Publikum ist es eine angenehme Zurücklehnnummer, für die von Lorenz Raab begleitete Sängerschar ist es ein Parforceritt. Die Vorgabe stammt aus der Steiermark, die alemannische Interpretation ist ein Ohrenschmeichler, dem David Helbock mit dem jazzigen „Lonely Supamen“ gleich noch eins draufsetzt. Der Pianist erweiterte mit dem Trompeter Lorenz Raab nicht nur das dramaturgische Farbenspektrum dieses quasi durchchoreografierten Programms, er erwies sich auch als sich bestens eingliedernder Begleiter der Stimmen. Diese zeigten mit „Viva la vida“, „Sometimes I wish“ und vor allem mit „Ronda Catonga“ nicht nur enormes Temperament, sondern genauso neugieriges wie aufwendiges Erkunden von außereuropäischem Liedgut. Dass einige Stimmen bei „Die Gedanken sind frei“ individuelle Wege gingen, also etwas ausbüchsten, hat an sich Charme. Wird der Gesamtklang perfekt auf den Punkt gebracht, wirkt der Inhalt dieses Liedes ja eigentlich unglaubwürdig. Nach einem Spiritual, das hörbar macht, wie begeisternd höhensicher „Voices“ unterwegs ist, unterstrich Poppiges und Volksliedhaftes (von Bruno Wiederin) die Vielseitigkeit.

Längst ist klar, dass es eine hervorragende Idee war, „Voices“ für Leute im Alter ab 16 Jahren aufzubauen, die weitere Pflege dieses Chores hat das Publikum mit starkem Applaus somit in Auftrag gegeben.