Auch dem damals 15-jährigen Mozart gefiel das Werk

09.11.2015 • 17:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dagmar Marxgut mit dem Ensemble „Kontrapunkt“. Foto: Jurmann
Dagmar Marxgut mit dem Ensemble „Kontrapunkt“. Foto: Jurmann

Dagmar Marxgut und „Kontrapunkt“ boten ein unbekanntes Haydn-Requiem.

DORNBIRN. (JU) Sie spielt das, was viele nicht einmal vom Hörensagen kennen. Diesmal ist die Dornbirner Chorleiterin Dagmar Marxgut auf ihrer Suche nach verschollenen musikalischen Schätzen für das Jahreskonzert ihres Ensembles „Kontrapunkt“ auf das „Schrattenbach-Requiem“ von Johann Michael Haydn gestoßen. Die stilvoll erarbeitete Aufführung am Sonntag in der voll besetzten Kirche St. Christoph im Rohrbach wurde zur Entdeckung einer klassischen Kostbarkeit und unterstreicht die wertvolle Arbeit dieses Ensembles am Rande der großen Events. Für manche Musikfreunde ist dieser Johann Michael Haydn (1737–1806) heute der weit interessantere Komponist als sein berühmterer Bruder Joseph. Dafür spricht vor allem Michaels Requiem in c-Moll, op. 155, das er 1771 schrieb. Bei der Uraufführung wirkten der damals 15-jährige Mozart und sein Vater Leopold als Mitglieder der Hofkapelle mit. Mozart muss dieses Werk offenbar so beeindruckt haben, dass er 20 Jahre später bei seinem eigenen Requiem in ähnlich gearbeiteten Teilen darauf zurückgriff.

Spirituelle Tiefe

Die Aufführung rückt die besonderen Schönheiten dieses bedeutenden Sakralwerkes ins rechte Licht, seine spirituelle Tiefe, die schmerzlichen Wendungen und leidenschaftlichen Ausbrüche. Dabei werden die rund 40 Choristen nicht geschont, sind im steten Wechsel mit den Solisten vielfältig im Einsatz. Dagmar Marxgut als erfahrene Chorleiterin hat sie intensiv auf diese Aufgabe vorbereitet und leitet alles mit sicherer Hand. Saubere Intonation wird hier zum Fundament, auch die innere Ruhe für das einleitende „Requiem aeternam“ und die nötige rhythmische Sicherheit bei kontrapunktisch gearbeiteten Teilen wie dem packenden „Cum sanctis tuis“. Nur an Aussprache und Beweglichkeit dürfte noch etwas gefeilt werden. Originalgetreu zur Entstehungszeit ist auch das Orchester mit heimischen Musikern (Konzertmeisterin Andrea Gass) klein besetzt, blüht aber auch mit wenigen Streichern, Blech, Pauken und Orgel (Helmut Binder) klangschön auf. Das Solistenquartett besteht aus international erfahrenen Kräften und hat leider trotzdem eine Schwachstelle. Durch ihre Nervosität kann die rumänische Sopranistin Nicoleta Radu vor allem in ihren Solostellen die Schönheiten ihrer Stimme nicht wirklich zur Geltung bringen, wirkt unsicher und unsauber. Von wunderbar lyrischer Pianokultur dagegen der Alt der in Augsburg lebenden Dobrochna Payer, metallisch auftrumpfend der hellstimmige Tenor des Deutschen Richard Resch, wohltönend gerundet der Bass des auch im Opernbereich international gefragten Dornbirners Michael Schwendinger.

Das halbstündige Requiem füllt noch kein Konzert, Marxgut hat mit Gespür Werke darum gruppiert. Choralbearbeitungen von Telemann und Sätze von Vivaldi für das kleine Orchester, ein Vokalsatz von Tschaikowsky für die Solisten und Schuberts „Tantum ergo“ ergeben ein stimmiges Ganzes, das mit Beifall belohnt wird.