Möchte dem Thema Tod liebevoll begegnen

Kultur / 10.11.2015 • 21:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Haas schrieb Auftragswerke für die Bregenzer Festspiele. Foto: APA
Haas schrieb Auftragswerke für die Bregenzer Festspiele. Foto: APA

Emotionen wachrütteln, Schmerz hören, das sind die Anliegen von Georg Friedrich Haas.

London, Bregenz. Der österreichische, in Vorarlberg aufgewachsene Komponist Georg Friedrich Haas ist für seinen experimentellen und analytischen Umgang mit der Musik bekannt. Seine neue Oper „Morgen und Abend“ wird in London uraufgeführt.

Herr Haas, worum geht es Ihnen bei Ihrer Musik?

Haas: Es ist wichtig, eine Musik zu machen, die unmittelbar emotional berührt und zu den Menschen spricht, die sie aufführen und die sie hören. Ich will ausdrücken. Ich will, dass man sich hineinsetzt mit offenem Herzen, mit offenem Kopf und mit offenen Ohren und sich in dieses ästhetische Abenteuer bewegt. Mit möglichst wenig Vorurteilen, denn es ist wahrscheinlich anders als alle anderen Opern, die man vorher gehört hat. Ich will, dass man eine emotionale Erfahrung macht.

Leben und Tod, Dunkelheit und Licht, Stille und laute Töne spielen in Ihren Werken eine große Rolle, warum?

Haas: Tod ist ein traditionelles Element der Oper. Nur, wenn ich im Publikum sitze und zuschaue, wie ein Fürst von einem Degen erstochen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir etwas Ähnliches passiert, relativ gering. Wenn ich aber einen Mann sehe, der am Bett steht und sich fragt, warum fühle ich mich so sonderbar, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das von der eigenen Zukunft spricht, relativ hoch. Und was ich einfach möchte, ist, dass wir uns mit diesem Thema liebevoll und angstlos auseinandersetzen. Nachdem ich selbst einmal die Nahtoderfahrung gehabt habe, glaube ich zu wissen, wovon ich spreche.

„Morgen und Abend“ wird an zwei führenden Opernhäusern aufgeführt, London und Berlin. Freuen Sie sich darüber?

Haas. Ich habe das Glück, hier ein Orchester zu haben, das wirklich ernsthaft analysiert und nicht mit dem Vorurteil an die Arbeit geht, der Komponist lebt noch, und deswegen ist es schlecht. Ich freue mich unglaublich über die Zusammenarbeit mit diesen beiden hochprofessionellen Institutionen.

Zur Person

Georg Friedrich Haas

Geboren: 1953 in Graz, aufgewachsen in Vorarlberg

Ausbildung: Studium in Wien

Tätigkeit: Komponist, Professor für Komposition an der Columbia University in New York

Werke: Opernuraufführungen bei den Bregenzer Festspielen, den Schwetzinger Festspielen, an der Oper Paris, an der Covent Garden Opera etc.

Uraufführung der Haas-Oper „Morgen und Abend“ am 13. November in London, deutsche Erstaufführung am 29. April an der Deutschen Oper Berlin