Von Kreativität und Wahnsinn

10.11.2015 • 17:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender verwandelt sich in eine vielschichtige Figur. Foto: AP
Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender verwandelt sich in eine vielschichtige Figur. Foto: AP

Apple-Mitbegründer Steve Jobs war ein schwieriges Genie mit einer komplexen Persönlichkeit.

Biografie. Als Technik-Visionär hat Steve Jobs die Welt, in der wir leben, entscheidend mitgeformt, als Kollege tyrannisierte er erbarmungslos, um seine Vision durchzusetzen. Der Apple-Gründer fasziniert nach seinem Tod 2011 wie keine andere Persönlichkeit des Silicon Valley, inspiriert Filme und gar eine Oper. Die bisher spannendste Auseinandersetzung, „Steve Jobs“, startet am Donnerstag in unseren Kinos.

Vom Hollywood-Vorgänger, dem vor Kritikern wie auch Publikum gefloppten „Jobs“ mit Ashton Kutcher, grenzen sich Drehbuchautor Aaron Sorkin („The Social Network“) und Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionär“) klar ab. Lose inspiriert von Walter Isaacsons gleichnamiger, autorisierter Biografie nähert sich Sorkin Jobs nämlich nicht in Form eines klassischen Biopics. In drei Akten spinnt er vielmehr eine subtile Charakterstudie hinter den Kulissen dreier großer Produktpräsentationen in San Francisco: dem Apple Macintosh 1984, dem NeXt Cube nach Jobs’ Apple-Abgang 1988 und schließlich dem bahnbrechenden iMac bei seiner Rückkehr 1998.

Eskalation

In jeweils 40 angespannten, in Echtzeit erzählten Minuten vor jedem Auftritt sieht sich Perfektionist Steve Jobs (Michael Fassbender) nicht nur mit technischen Last-Minute-Problemchen, sondern auch mit zwischenmenschlichen Eskalationen konfrontiert. Er wird von seiner Ex-Freundin Chrisann Brennan (Katherine Waterston) zur Rede gestellt, die finanzielle Unterstützung für ihre gemeinsame, von ihm erst spät anerkannte Tochter Lisa einfordert. Sein bester Freund und Apple-Co-Gründer Steve Wozniak (mit denkwürdigem finalen Auftritt: Seth Rogen) mahnt öffentliche Wertschätzung für sich und sein Team ein. Und auch Chefprogrammierer Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg) und CEO John Sculley (Jeff Daniels) geraten mehrfach mit Jobs aneinander. Einzig seine Vertraute, Macintosh-Marketingchefin Joanna Hofman (Kate Winslet), dringt als Stimme der Vernunft und Menschlichkeit durch zu Jobs, der vom Publikum wie ein Rockstar gefeiert und backstage längst verteufelt wird.

Komplexe Charaktere

Sorkin hat sich für sein Drehbuch viele Freiheiten genommen, schraubt an biografischen Eckdaten, um Jobs’ komplexen Charakter und seine Höhen und Tiefen rund um den dramatischen Rauswurf bei Apple und seinen gefeierten Wiedereinstieg erlebbar zu machen.

Die Brillanz der Hauptdarsteller macht Schwächen im Plot des Filmes wett. Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender sieht Jobs nicht wirklich ähnlich, verwandelt sich aber völlig in eine vielschichtige Figur: aufbrausend, undiplomatisch, mitunter gemein und arrogant. Ein besessener Perfektionist, der seine Vision umsetzt. Das hatte 2013 schon Ashton Kutcher in „Jobs“ versucht. „Steve Jobs“ jedoch fesselt mit einem Feuerwerk an Dialogen und lebt von der Spannung zwischen den Figuren; die Besetzung ist einfach großartig.

Filminfos

» Regie: Danny Boyle

» Hauptdarsteller: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Jeff Daniels, Sarah Snook

» läuft ab 12. November im Kino