Geballte Frauenpower gegen Asphaltcowboys

13.11.2015 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit „Rewind & Replay“ wurde eine äußerst vielversprechende Schau mit Arbeiten zahlreicher Vorarlberger Künstler auf die Beine gestellt. Foto: Galerie
Mit „Rewind & Replay“ wurde eine äußerst vielversprechende Schau mit Arbeiten zahlreicher Vorarlberger Künstler auf die Beine gestellt. Foto: Galerie

Videokunst an fünf
Wochenenden und in fünf Kapiteln in der Galerie Hollenstein.

LUSTENAU. Fast schon traditionell gehört der Ausstellungsherbst in der Galerie Hollenstein jungen Kuratoren, die hier die Möglichkeit erhalten, aktuelle Standpunkte des Kunstbetriebes zu präsentieren. Die diesjährige Kuratorin, Yvonne Rüscher, bricht mit dem Konzept der Aktualität ein wenig, stellt mit „Rewind & Replay“ jedoch eine äußerst vielversprechende Schau auf die Beine.

15 Vorarlberger Künstler

Wie es der Titel mit „Zurückspulen“ und „Wieder Abspielen“ bereits antönt, sind es durchwegs ältere und bereits bestehende Arbeiten, die die 1982 geborene Yvonne Rüscher, die in Paris Film, Kunstgeschichte und Filmwissenschaft studiert hat und als freie Kuratorin tätig war, in die Galerie Hollenstein bringt. Der Clou an der ganz und gar nicht gewöhnlichen, aber fein abgestimmten Videoausstellung: An jedem Wochenende wird die Schau als Dunkelraum neu programmiert, die Szenografie den unterschiedlichen Formaten entsprechend umgestaltet, neu inszeniert und immer wieder freitags neu eröffnet.

Zu sehen sind in fünf Kapiteln an fünf Wochenenden videografische Arbeiten von insgesamt 15 Vorarlberger Künstlern. Von A wie Aubrecht, Ruben, bis Z wie Zink, Marko, ist vom experimentellen Film über Videotapes bis hin zu Animationen und Installationen mit beinahe skulpturalem Charakter ein breitgefächertes Spektrum an Film- und Medienkunst zu sehen, dem auch die verschiedenen Präsentationsformen gerecht werden, wie klassisch frontale Filmvorführungen, immersive Videoinstallationen, Großraumprojektionen oder Einkanalmonitore. Im ersten Kapitel der Ausstellungsabfolge sind Beiträge von Veronika Schubert, Richard Jochum und Marko Zink zu sehen.

Während Letzterer mit seinen besonderen Olympioniken, die in koketter Haltung durch Gesichtsmasken anonymisiert in der Natur posieren, vertreten ist, zeigt der in New York lebende und arbeitende Richard Jochum zwei Videos aus der laufenden Werkserie „Atlas goes Superman“.

Bechtolds Roadmovie

Veronika Schubert dagegen befasst sich anhand einer strukturellen Analyse der ORF-Sendung „V-heute“ in ihrer gleichnamigen fünfteiligen Videoinstallation mit Überleitungen und Floskeln des täglichen Sprachgebrauchs, die keinen eigentlichen Inhalt transportieren. Weitere Video-Leckerbissen und Raritäten stammen an den vier folgenden Wochenenden u. a. von Gottfried Bechtold, der eine Art Roadmovie aus den 1970ern zeigt, von Christian Helbock, der den Malprozess dokumentiert, oder von Ruben Aubrecht, der in seinem Beitrag „Please be patient“ angesichts endloser Ladevorgänge die Geduld des Betrachters und die Grenzen des Mediums ausreizt.

Geballte Frauenpower liefern am zweiten bzw. letzten Wochenende Liddy Scheffknecht, frauklocker und Ruth Schnell bzw. Si.Si Klocker, Claudia Larcher und Sabine Marte mit Beiträgen zu Telefonsex bis zur Erkundung der Haut als Grenze zwischen dem Ich und der Welt draußen. Dazwischen agieren auch noch Uwe Jäntsch, Gerhard Klocker und Rainer Ganahl, der sich mit dem französischen Provokateur, Poeten, Proto-Dadaisten, Fahrradenthusiasten und Erfinder der Pata-Physik Alfred Jarry (1873–1907) zwischen literarischen Quellen und reiner Fiktion bewegt.

Geöffnet in der Galerie Hollenstein, Pontenstraße 20, in Lustenau bis 13. Dezember, an jedem Freitag um 18.30 Uhr wird ein neues Kapitel eröffnet, geöffnet jeweils Fr und Sa, 17 bis 20 Uhr, So und Feiertag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.