Im Breitbeinstand unter breitkrempigem Hut

15.11.2015 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bob Dylan darf nur so abgebildet werden, wie er einmal war. Bei Konzerten herrscht Fotografierverbot. Foto: SoundEvent
Bob Dylan darf nur so abgebildet werden, wie er einmal war. Bei Konzerten herrscht Fotografierverbot. Foto: SoundEvent

Egal, was er singt, Bob Dylan holte sich gestern Abend viele Fans ins  Festspielhaus.

Christa Dietrich

Bregenz. Poet, Songwriter, Dandy oder gar jener, der für die Pop-Musik dieselbe Bedeutung hat wie Einstein für die Physik? Egal, wenn Bob Dylan angesagt ist, gehen jene hin, die mit seiner Musik sozialisiert oder zu Rebellen wurden, also die Älteren, jene, die dem Phänomen auf der Spur sind und jene, die schließlich vor allem einen Refrain anstimmen: Bob Dylan ist sakrosankt.

Zwei Mal füllt er, von Basel kommend, in diesen Tagen das Bregenzer Festspielhaus. Gestern Abend blieben jedenfalls nur wenige Plätze leer. Bob Dylan, geboren 1941, ist seit den 1950er-Jahren im Geschäft, vor fast dreißig Jahren begann die „Never ending Tour“. Den Begriff hatte zwar ein Interviewer geprägt, für Dylan, den inzwischen 74-Jährigen heißt es, dass er sich live absolut nicht rar macht. Doch die Präsenz entspricht schließlich auch dem Publikumswunsch. 

Im Gehrock mit Gamaschen

Singen kann er eigentlich gar nicht, flüsterte man mir, einer Besucherin, die definitiv nicht zu den Dylanologen zählt, aber ab und zu eine CD von ihm einlegt, noch vor Konzertbeginn zu. Keineswegs gehörgeschädigt, verstehe ich in der Tat beinahe kein Wort, aber singen, das kann er. Nehmen wir „I‘m, Fool to Want You“, jene Nummer, mit der er sich für seine letzte CD-Produktion – warum auch immer – vor Frank Sinatra verneigte. Er setzt den Song tief an, bleibt in der Tiefe und hält sie durch, rauchig, breitkrempig wirkt die Stimme wie sein Hut. „Things Have Changed“ steht am Anfang fast wie eine ironische Bemerkung. Geändert hat sich wenig. Dylan ist freilich nicht mehr der Folk-Rock-Star aus jener Zeit, in der ihm die nun ergrauten Herren im Publikum zujubelten. Im Gehrock steht er im Zentrum seiner Band, die Hände in den Taschen, an den Hüften oder am Revers. Meistens breitbeinig, als gelte es, den Halt nicht zu verlieren, denn die Stimme könnte den ganzen Körper rasch zum Vibrieren bringen.

„She Belongs to Me“ hören wir dann bzw. wird von großem Publikumsjubel eingeläutet. Dieser ebbt rasch wieder ab, man will jeden Laut aufnehmen. Die Tontechnik hat kein Erbarmen mit dem Publikum, jedes Instrument der Band ist gleich eingestellt. Bass oder Klavier? Einerlei. Jazz, Rock, Folk und Blues bilden den Klangteppich, auf dem die Konturen der Muster verlaufen, wirken soll sowieso nur die Stimme, alles andere ist Effekt.

Sie ist ein Faktor für die Qualität, dass das Konzert Nummer für Nummer zwar immer eintöniger, aber nie zum Einheitsbrei wird. Dylan singt, spielt auf der Mundharmonika, setzt sich ans Klavier und zieht die Show durch. Keine banalen Grußworte für das Publikum, sondern nur Songs. Manchmal werden sie heller, manchmal bleiben sie konsequent rauchig.

Die Stimmung ist konzentriert. Das nostalgische Bühnenbild mit alten Scheinwerfern erfährt im Saal einen enormen Kontrast. Die Security nimmt vor der Bühne und seitlich Aufstellung und bewacht streng, dass keiner die Kamera zückt. Applaudieren darf man und man tut‘s.

Das zweite Konzert von Bob Dylan findet am 16. Nov., 20 Uhr, im Bregenzer Festspielhaus statt.