Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Gleich mehrere Freudenhäuser

16.11.2015 • 19:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Freilufttheater mitten in der Stadt, dazu Figuren in Übermannsgröße oder wildes Zirkustheater und eine direkte Konfrontation von Künstlern und Publikum: Ans „Impuls“-Festival können sich noch viele erinnern und nicht wenige dürften es bedauert haben, als es schon vor gut zwölf Jahren vorbei war mit dem ganzen frei zugänglichen Spaß, mit der Musik, dem Sommer für Sommer im neuen Glanz wiederkehrenden großen Spektakel und den wunderbar-poetischen Begegnungen, die sich beispielsweise auf dem Marktplatz in Dornbirn oder in den Seeanlagen in Bregenz abspielten.

 

Willi Pramstaller, der Ausrichter dieses Treibens, holte sich in der Folge „nur“ noch domestizierte Kulturschaffende nach Vorarlberg. In einem Zelt fanden sie ein Podium, bald erhielt dieses eine nostalgische Eingangstür und wurde mehrdeutig mit Freudenhaus betitelt.

Das, obwohl es im Inneren nie zu banalen Lustbarkeiten kam und Prostitution und Menschenhandel nur einmal thematisiert wurden, und zwar kritisch im Rahmen eines Theaterprojektes für das sich sogar die großen Bregenzer Festspiele als Koproduktionspartner einbrachten.

 

Das Freudenhaus zieht nach Lustenau, mit dem, was in Bregenz kommt, soll aber auch wieder ans „Impuls“-Festival erinnert werden. Das hie und da angestimmte Wehklagen über den Abzug des Freudenhaus-Zeltes mit dem putzigen Frontgemälde ist nicht nachvollziehbar. Erstens sind Landschaftsschutzauflagen, die eine fünfmonatige Präsenz eines Zeltes am Bodenseeufer behindern, keine Schikane, zweitens ist der neue Standort Lustenau nicht so weit vom Schuss und drittens lässt die Landeshauptstadt ihr „Seelax“-Festival ohnehin nicht ziehen.

Es bieten sich laut aktueller Verhandlungen nun sogar gleich mehrere Austragungsorte in Bregenz an. Das Zelt ist weg, die Freude bleibt und mit ihr, wenn man so will, gleich mehrere neue Freudenhäuser.

 

Wenn Willi Pramstaller in den Seeanlagen zwar kein monatelanges, aber immerhin ein mehrtägiges, qualititätsvolles Spektakel entfachen will, dürften das somit viele begrüßen. Es gilt nur noch darauf zu achten, dass man nicht mit den Bregenzer Festspielen kollidiert. Die feiern nämlich im nächsten Jahr den 70. Geburtstag und haben offenbar vor, neben „Turandot“ auf dem See, der großen Opernrarität im Haus und „Don Giovanni“ am Kornmarkt an die zarten Anfänge zu erinnern, als man im Sommer 1946 im Gondelhafen das Mozartsingspiel „Bastien und Bastienne“ aufführte.

Wenn die Festspiele noch den Gondelhafen revitalisieren, geht 2016 in den Seeanlagen richtig viel ab.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225