Goldenes Händchen für silbrige Männerstimmen

16.11.2015 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Paul Burtscher hat den „Liedermännerchor Alberschwende“ mittlerweile auf einen Höchststand katapultiert. Foto: JU
Paul Burtscher hat den „Liedermännerchor Alberschwende“ mittlerweile auf einen Höchststand katapultiert. Foto: JU

Der „Liedermännerchor“ wurde unter Paul Burtscher zum Top­ensemble.

RANKWEIL. Vergessen Sie alles, was Sie bisher an Vorurteilen über Männerchöre gehört haben: Sie seien musikalisch schwerfällig, klanglich mulmig und überaltert. Der smarte Chorleiter Paul Burtscher (42) beweist mit seinem „Liedermännerchor Alberschwende“ das genaue Gegenteil. Er hat ihn im Laufe von 17 Jahren von Erfolg zu Erfolg geführt und mittlerweile auf einen Höchststand katapultiert. Mit seinem Debütkonzert am Sonntag in der Basilika, das vom Publikum regelrecht gestürmt wurde, hat er der heurigen erfolgreichen Konzertreihe auch die Krone aufgesetzt.

Knochenarbeit

Was ist das Geheimnis, warum tönt Burtschers Chor so anders? Es klingt banal, aber im Grund steckt ein hartes Stück Knochenarbeit hinter dieser Erfolgsgeschichte. Allein das fast komplette Auswendigsingen eines über einstündigen Programms in drei Sprachen und mit verschiedensten rhythmischen und harmonischen Anforderungen ermöglicht den ständigen Blickkontakt zum Dirigenten und ist Zeichen dafür, wie intensiv hier gearbeitet wurde. Das Wollen kommt aber auch von den 36 ausgewählten Amateuren selbst (Durchschnittsalter 50), das Können von Burtscher, der ein goldenes Händchen im Umgang mit Männerstimmen beweist und eine tolle Stimmbildnerin an seiner Seite hat, die auf Aussprache und einheitliche Lautfärbung achtet und damit ein Höchstmaß an klanglicher Homogenität ermöglicht.

Über tausend Jahre

Ein verwegen scheinender Programmbogen spannt sich über tausend Jahre, vom Gregorianischen Choral herauf durch alle Bereiche bis zu einer spannenden Uraufführung, alles top vorbereitet und mit großer Sicherheit vorgetragen. Paul Burtscher braucht mit seiner energetischen, so sprechend klaren Art des Dirigierens dieses Pensum nur noch abzurufen. Da fegt wie ein Sturm Hans Leo Hasslers barockes „Cantate Domino“ als Motto des Programms durch die Basilika. Wie wenn ein Schalter umgelegt worden wäre, erhält daraufhin Schuberts „Gott ist mein Hirte“ die fließende Wärme der Romantik, wird Piotr Janczaks modernes „Kyrie“ zum Prüfstein für stimmliche und sprachliche Beweglichkeit und Biebls „Ave Maria“ für reizvoll arrangierte Echowirkungen mit einem Fernchor auf der Empore.

Zweite Konstante dieses Abends ist der bekannte deutsche Komponist Martin Völlinger (38), ein unglaublich produktiver („Latin Jazz Mass“ für „Voices“) und eloquenter Musiker, der viele Stücke am Keyboard begleitet, Überleitungen schafft und auch hier in seiner populären, gut klingenden Schreibweise in einer Art Musicalstil aus Pop, Jazz und World Music mit Eigenem auftrumpft. Schon sein „Ave Maria“ lässt durch die gekonnte Mischung aus Gesprochenem und Gesungenem aufhorchen, zum Ereignis wird am Ende die Uraufführung seines vom Chor erteilten Auftragswerkes „Trilogie der Mitte“ nach einem sehr zeitgemäßen, philosophisch-religiösen Text der deutschen Autorin Meggi Kübler. Mit einer Mischung aus süffig swingenden Chorsätzen und kontemplativ verhaltenen Passagen erreicht Völlinger ein Maximum an Aufmerksamkeit und Hinwendung des Publikums. Gesprochene Texte (professionell: Chormitglied Michael Willam) und sorgsam in den Chorklang eingebettete Parts an Flügelhorn und Trompete (umwerfend: der Dornbirner Musiker Ulrich Mayr) ergeben eine geschlossene Verknüpfung von Wort und Musik.

Die geschätzten knapp 400 Zuhörer (neuer Besucherrekord in der Basilika) erheben sich am Schluss spontan, um alle Beteiligten so lange zu feiern, bis es noch drei Zugaben gibt, darunter „Müsle, gang go schlofa“ mit einer Art Glasharmonika-Background und „O du stille Zeit“ als Hinweis auf den bevorstehenden Advent.

Die neue sechsteilige Saison der Rankweiler Basilikakonzerte beginnt am 6. März 2016.