Den Raumklang voll ausloten

17.11.2015 • 18:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Komponistin und Kuratorin Clara Iannotta präsentiert bei den „Bludenzer Tagen“ ihr zweites Programm.

BLUDENZ. (JU) Die „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“, Vorarlbergs einziges Festival für neue Musik, gehen am Wochenende in ihre 27. Auflage. Die abgekürzt „btzm“ genannte Reihe ist bald nach ihrer Gründung 1989 durch Hanspeter Frick mit dem Verein „allerArt“ als Träger bis heute zu einer wichtigen Einrichtung geworden, die in ihren Konzerten einerseits die aktuellsten internationalen Strömungen und deren Spezialensembles im Land reflektiert, andererseits von einem Kreis von Fachleuten und Fachpublikum auch über Vorarlberg hinaus wahrgenommen wird. Dieser Trend hat sich verstärkt, seitdem ein heute so international präsenter Komponist wie der in Vorarlberg aufgewachsene Grazer Georg Friedrich Haas die Leitung übernommen und dem Festival entsprechendes Profil vermittelt hat. Ihm folgten der Feldkircher Wolfram Schurig und seit 2007 der Schoppernauer Alexander Moosbrugger, der infolge einer Fülle an Kompositionsaufträgen Bludenz abgeben musste. Seit dem Vorjahr gibt nun erstmals eine Frau als künstlerische Leiterin der „btzm“ den Ton an. Es ist die 31-jährige, in Deutschland lebende italienische Flötistin und erfolgreiche Komponistin Clara Iannotta. Ihre erste Saison 2014 mit Musik von Komponisten, die sie persönlich in den vergangenen Jahren inspiriert hatten, verlief von der Programmierung her interessant und in der Durchführung reibungslos. So wurde ihr Vertrag von Wolfgang Maurer, Obmann des Vereins „allerArt“, auf fünf Jahre bis 2018 verlängert, um die eingeschlagene Richtung weiterzuführen.

Folgewirkung

„Komponieren ist eine innere Notwendigkeit für mich und jene Kunst, die mich am besten repräsentiert“, gibt Clara Iannotta gleich am Beginn des VN-Interviews als Eigendefinition zu Protokoll. Über ihre Berufung nach Bludenz ist sie auch nach ihrer ersten Saison glücklich: „Obwohl ich am Anfang Bedenken hatte, gefällt mir die Kuratorentätigkeit sehr gut, weil ich neben dem Komponieren einen weiteren Beitrag zur zeitgenössischen Musik leisten kann. Die meisten der Uraufführungen im vergangenen Jahr etwa hatten mehrere Wiederaufführungen und neue Projekte mit diesen Komponisten zur Folge.“

Musikvermittlung

Den Rahmen ihres diesjährigen Programms bilden die Uraufführung zweier großer, in mehrjähriger Arbeit entstandener Werke von Steven Kazuo Takasugi und Pierluigi Billone, die in ihrer Kombination aus Ensemblemusik, visuellen Effekten, Elektronik, Puppenspiel und Theater weit über Musik im engeren Sinn hinausragen, bzw. mit zwei E-Gitarren den Raumklang ausloten und die Grenzen zwischen Klang und Raum erfahrbar machen. Als ihre größte Aufgabe heute sieht Iannotta, mehr Publikum anzusprechen: „Im vergangenen Jahr haben wir im Vorfeld Schülern des Gymnasiums Bludenz zeitgenössische Werke vorgestellt und sie zur Eröffnung eingeladen. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, aber einige sind daraufhin jeden Tag gekommen, um mehr über diese Musik zu erfahren. Das wollen wir auch heuer so halten.“

Erstmals bietet das Festival auch Meisterklassen für sechs herausragende junge Komponisten. Iannotta ist begeistert von der ersten Resonanz: „Hundert junge Musiker aus der ganzen Welt haben sich beworben, um in Bludenz Unterstützung für ihre Musik zu finden und ihre Arbeiten bei täglichen öffentlichen Treffen, Diskussionen und im Unterricht präsentieren zu können. Wir haben sechs von ihnen ausgewählt, der Begabteste wird am Ende einen Kompositionsauftrag für das kommende Jahr erhalten.“

Die meisten Uraufführungen im letzten Jahr hatten Projekte mit den Komponisten zur Folge.

Clara Iannotta

Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik

» 19. November, 20 Uhr: Talea Ensemble (UA Steven Kazuo Takasugi)

» 20. November, 20 Uhr: Francesco Dillon, Violoncello, Emanuele Torquati, Klavier (u. a. Werke von Thomas Larcher, Helmut Lachenmann, Ludwig van Beethoven)

» 21. November, 20 Uhr: Ensemble Soundinitiative (u. a. Werke von Rebecca Saunders, Marina Khorkova, Marek Poliks)

» 22. November, 17 Uhr: Yaron Deutsch und Tom Pauwels, E-Gitarre (UA Pierluigi Billone)