Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Richtig entschieden

18.11.2015 • 18:35 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das 70-Jahr-Jubiläum hätten die Bregenzer Festspiele auch schon heuer feiern können, fand das Festival doch zum 70. Mal statt. Erst 2016, 70 Jahre nach der Ausrichtung einer Festwoche, aus der der größte Kulturunternehmer der Region erwuchs, an den runden Geburtstag
zu erinnern, war allerdings die richtige Entscheidung.
Im jahrelangen Ringen mit dem Bund um die längst notwendige Subventionserhöhung endlich zu einem zwar bescheidenen, aber immerhin positiven Ergebnis zu kommen, hatte Priorität. Und die neue Intendantin Elisabeth Sobotka hatte in ihrer ersten Saison in Bregenz wohl eher den Wunsch, vorauszublicken, und nicht zurück.

Das grundsätzlich Positive am Angebot, das sie nun für 2016 macht, liegt ebenfalls an einem Ausblick. Dieser zeigt sich sogar noch stärker als zuvor. Überhaupt ist ihr die Verbindung von Geschichtsbewusstsein bzw. Auseinandersetzung mit der Geburtsstunde der Festspiele und dem, was sie nun sind und werden sollen, auf eindrückliche Weise gelungen. Dass sie sich mit Otto M. Zykan beschäftigt, war bereits durchgedrungen. Die „Austrotragödie“ zu wählen, ist ein Coup, behandelt das Werk doch ein Thema, das Österreichs schuldvolles Schlittern in den Zweiten Weltkrieg behandelt. Die Vorlage der Musiktheateraufführung, also der Film aus den 1970er-Jahren, war einst, in einer Zeit, in der sich Österreich in Bezug auf seine Rolle als eifriger Bodenbereiter des Nationalsozialismus mit dem Verdrängen beschäftigte und nicht mit dem Aufdecken, ein Skandal. In Zeiten veränderter Geschichtsschreibung damit Relevantes auf die Bühne zu bringen, ist eine Herausforderung, die weitere Spannung birgt.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225