CD-Tipps. Von Fritz Jurmann

19.11.2015 • 18:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Concerto Stella Matutina, Leitung Alfredo Bernardini

ALBUM: Josephs neuer Kayser-Thron

LABEL: fra bernardo

Zum zehnjährigen Bestehen schenkt das Barockorchester Concerto Stella Matutina seiner großen Fangemeinde im Land mit der bereits fünften eigenen CD ein Album von unglaublicher vokaler und instrumentaler Prachtentfaltung. Ph. H. Erlebach hat 1705 in einer Festmusik all sein Herzblut in die Verehrung des neuen Kaisers gelegt, den Vokalisten die schwierigsten Koloraturen, den Musikern die glanzvollsten Töne abverlangt. Das von der Sopranistin Judit Scherrer bzw. Konzertmeisterin Silvia Schweinberger angeführte Ensemble setzt diese Ersteinspielung auf atemberaubendem Niveau originalgetreu um, ebenso wie die 1708 entstandene Motette „Gott ist mein König“ von J. S. Bach. Produziert wurde unter Leitung des kundigen Bernhard Trebuch von Ö1 in der weiträumigen Priesterseminar-Kirche von Brixen, was dem Sound imperiale Opulenz verleiht. CSM-Jubiläumskonzerte: 17. und 18. Dezember in Götzis bzw. im Feldkircher Dom.

KÜNSTLER: Carmignola, Gabetta, Lazic, Kammerorchester Basel

ALBUM: Beethoven Triple Concerto

LABEL: Sony

Auch die argentinische Welt-Cellistin Sol Gabetta, als gefeierte Solistin seit vielen Jahren bei den Bregenzer Meisterkonzerten oder der Schubertiade im Rang eines Publikumslieblings, wagt sich mit dem ihr eigenen Unternehmungsgeist zu neuen Ufern. Sie möchte einem ihrer Meinung nach verkannten Meisterwerk Beethovens, seinem „Tripelkonzert“, die gebührende Ehre erweisen und es vom Staub der Jahrhunderte befreien. Im Solo-Trio mit ihren beiden kongenialen Partnern Giuliano Carmignola, Violine, und Dejan Lazic, Klavier, in dem das Cello eine führende Rolle spielt, gelingt ihr zusammen mit dem Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini tatsächlich eine jugendlich-frische Einspielung. Da verbindet sich im Konzertieren nobler Schönklang auf höchstem gestalterischem Level mit Leidenschaft, Präzision und sogar einem Anflug von aufkeimender Romantik, die dem gestrengen Herrn Beethoven durchaus bekommt.

KÜNSTLER: Christian Gerhaher, Bariton

ALBUM: Mozart Arias

LABEL: Sony (2 CDs)

Da lernt man einen der bedeutendsten Liedersänger unserer Tage von einer neuen Seite kennen. Der bayerische Bariton Christian Gerhaher, seit vielen Jahren Garant für aufregende Liedgestaltung bei der Schubertiade, verwendet hier erstmals ebenso viel Liebe und Raffinement auf das vor allem italienische Fach in Mozarts Opernarien. Hinreißend changiert er zwischen der Gerissenheit eines Leporello im „Don Giovanni“, der Naivität eines Papageno in der „Zauberflöte“ und der Geschmeidigkeit der Titelpartie in „Le Nozze di Figaro“, bringt bei jeder Figur und in jeder Situation sein herrliches Material ideal zum Leuchten und seine kraftvolle Ausdruckskunst zum Tragen. Auf Augenhöhe begleitet in seinem packenden Drive das Freiburger Barockorchester unter Gottfried von der Goltz. Das ist ganz große Oper für die Ohren! Gerhaher mit Schuberts Zyklen am 23. und 25. Juni 2016 bei der Schubertiade Schwarzenberg.

KÜNSTLER: Ensemble Bell’Arte Salzburg

ALBUM: „Himlische Weynacht“ – Festliche Gesänge von Luther bis Bach

LABEL: BERLIN Classics/edel-KULTUR

Weihnachten rückt näher und damit jene Zeit, da man gerne erfährt, wie das Fest vor etwa 500 Jahren musikalisch gefeiert wurde, zur Zeit des Kirchenreformators Martin Luther. Das auf historische Aufführungspraxis spezialisierte Ensemble Bell’Arte Salzburg unter der Leitung von Annegret Siedel geht dabei sehr sorgfältig, mit wissenschaftlichem Anspruch zu Werke und dennoch in höchst lebendigen Einspielungen mit den beiden Vokalsolisten Marie Luise Werneburg, Sopran, und Klaus Mertens, Bass.

Es nimmt den Hörer bei der Hand auf einer Reise in eine längst entschwundene musikalische Welt, die mit etwas Patina von ferne heraufschimmert. Luthers bekannteste Melodie, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, bildet dabei in sieben Versionen den Leitfaden, ergänzt durch Werke von Hans Leo Hassler, Johann Sebastian Bach oder das „Magnificat“ von Heinrich Schütz und begleitet von einem äußerst fachkundig verfassten Booklet-Text.