Er will kein „Neutöner“ sein

Kultur / 19.11.2015 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aufführungen der Oper von Thomas Thurnher sind 2018 in Innsbruck und Klagenfurt geplant. Foto: JU
Aufführungen der Oper von Thomas Thurnher sind 2018 in Innsbruck und Klagenfurt geplant. Foto: JU

Der Dornbirner Komponist Thomas Thurnher präsentiert sein neuestes Werk.

DORNBIRN. (JU) In der traditionsreichen Konzertreihe „Dornbirn Klassik“ ist vieles anders, seitdem Kulturamtsleiter Roland Jörg dort als Kurator wirkt. Er hat den einst in der großorchestralen, klassisch-romantischen Tradition verkrusteten Zyklus ordentlich aufgemischt, präsentiert auch kleinere Ensembles und wagt sich, nicht immer zur Freude seiner Abonnenten, auch an Musik unserer Zeit und regelmäßige Uraufführungen speziell heimischer Komponisten. Am Mittwoch wird mit „Übermaltes Quartett“ das neueste Werk des Dornbirners Thomas Thurnher (49) präsentiert.

In Richtung Pop

Das Risiko für den Veranstalter, dadurch mit seinem Publikum in ernsthaften Clinch zu geraten, ist diesmal überschaubar. Denn im runden Dutzend von Komponisten der Neuen Musik in Vorarlberg ist Thurnher jener, der mit seiner Musik am meisten Verständnis bei den Zuhörern findet. Dabei hat er es nie darauf angelegt, mit seinen Werken zu gefallen oder sich gar anzubiedern – nur auf die Möglichkeiten der Ausführenden nimmt er Rücksicht.

Es ist sein in einer neo­romantischen Tradition verhaftetes Naturell, mit dem sich Thurnher beim Komponieren Luft macht und damit seine Tonsprache deutlich abgrenzt von jenen, die sich stolz „Neutöner“ nennen. Bestes Beispiel dafür waren seine „Kinderwirklichkeiten“, die der Vater dreier lebhafter Buben für eine Uraufführung vor zwei Jahren mit dem Henschel-Quartett in Dornbirn geschaffen hat. Nachdem das damals nicht nur dem Publikum, sondern auch Roland Jörg ausnehmend gefallen hat, spann dieser seine Rolle als lokaler Mentor von Thurnher weiter und stellte den Kontakt zum prominenten britischen Brodsky Quartet her, das für seine Offenheit in Richtung Pop bekannt ist. Die Musiker waren von dem neuen Werk begeistert und sagten die Uraufführung zu.

Kein Geringerer als der berühmte Kollege Franz Schubert ist bei Thurners neuem Werk Pate gestanden. Sein berühmtes d-Moll-Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ wurde zum Klavierquintett und mit „schwarzen Tönen“ übermalt, aus dem das Original immer wieder durchschimmert. Thurnher lachend im VN-Gespräch: „Jetzt wird aber wohl auch manchen das Herz bluten, weil sie glauben, ich mache ihr Lieblingsstück kaputt. Aber ich war einfach fasziniert von dieser Technik aus der Bildenden Kunst, mit der etwa ein Arnulf Rainer berühmt wurde. Doch die Umsetzung war eine gewaltige Herausforderung. Anders als dort muss in der Musik die Vorlage sehr bekannt sein, sonst wirkt der Effekt der Übermalung nicht. Ich zitiere Schubert zwar, lasse ihn aber nicht ausreden, doch ohne ihn oder seine Musik zu zerstören.“

Opernauftrag

Am Rande des Gesprächs mit Thomas Thurnher erfährt man, dass der stets so bescheiden auftretende, vor allem im Vokalbereich erfolgreiche Komponist einen Opernauftrag in der Tasche hat: „Der in Innsbruck tätige Sänger und Schauspieler Frédéric Grager-Fontainebleu hat mir das Angebot gemacht, eine Oper im Stil meines Flötenkonzertes zu komponieren. Thematisch geht es um eine Folge von tiefgründiger Lyrik des vor 20 Jahren verstorbenen verkannten Kärntner Arbeiterdichters Johannes Ciesciutti.“ Das Libretto ist bereits zu einem Drittel für Sänger, Sprecher und Kammerorchester vertont, Aufführungen sind 2018 in Innsbruck und Klagenfurt geplant.

Jetzt wird wohl manchen das Herz bluten, weil sie glauben, ich mache ihr Lieblingsstück kaputt.

Thomas Thurnher

Uraufführung „Übermaltes Quartett“ von Thomas Thurnher:
25. November, 19.30 Uhr, Kulturhaus Dornbirn (Yu Kosuge, Klavier, Brodsky Quartet)