Lichterglanz für den Prinzen Eugen

19.11.2015 • 21:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Olafur Eliasson und Francesca Habsburg im Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen. Foto: APA
Olafur Eliasson und Francesca Habsburg im Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen. Foto: APA

Wie schön, nicht alles was in der Bundeshauptstadt bereits grell leuchtet, ist der verfrühte Advent.

wien. (VN-cd) Punsch in kurzeln Ärmeln. Die Wiener haben in diesen herbstlich warmen Tagen kein Problem damit. Die Adventmärkte sind bereits illuminiert; bevor die Lichterkränze in den Einkaufsstraßen hinzukommen, ist wenigstens ein Lichtort nicht der Profitmaximierung geschuldet. Zumindest nicht offensichtlich. Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson bewegt sich, seit er sich nicht mehr bevorzugt der Natur widmet, dort, wo die Grenze zwischen Kunst und Kommerz fließend ist. In gelbes Licht tauchte er zuletzt mehrere Räume der Fondation Louis Vuitton in Paris. Viele Spiegel gab es auch. Solche ziehen sich nun durch das einstige Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen in Wien. Seit einigen Jahren ist es nicht mehr Amtsgebäude, sondern eine weitere Außenstelle des Museums Belvedere. Die aktuelle Schau kam durch eine Kooperation der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary von Francesca Habsburg und der Juan & Patricia Vergez Collection zustande. Mehrere Partner braucht es, wenn ein ganzes Palais zur Installation wird, Raumfluchten nicht mehr auszumachen sind und den Besuchern mehrfach deutlich gemacht werden soll, wie  man Realität konstruiert.

Einleuchtend

Der Titel „Baroque Baroque“ ist zutreffend, in der Zeit des Prinzen Eugen (1663–1736) entstanden Wand- und Deckengemälde, die den Menschen vor Augen führten, wie schnell man sich täuschen kann. Während Eliasson von der fantastischen Lösung für die meist lästigen Fensterfronten spricht, bemüht sich der eine oder andere Teilnehmer der Pressebesichtigung, nicht gegen die Spiegelwand zu laufen. Scheinbar riesige Räume können ganz schön klein sein und ob barocke Prachtentfaltung in den typischen Eliasson-Skulpturen wirklich eine zeitgemäße Entsprechung findet, sei dahingestellt. Das „Kaleidoskop“ aus dem Jahr 2001 sieht inzwischen doch sehr alt aus, die Monofrequenzleuchten, die Vorhandenes wie den barocken Stuck betonen, sind da fast schon einleuchtender. 

Im Bregenzer Kunsthaus hat Olafur Eliasson einst mit Nebel und Wasser gearbeitet, nun hat er in Berlin ein großes Studio, in dem sich seine Crew unter anderem mit Sinneswahrnehmung und Physik beschäftigt. Offenbar auch mit Architektur. Was im Gesamten für diese Installation spricht, ist eine vereinzelt aufschlussreiche Kommentierung derselben.

Für mich ist es faszinierend, dass der Barock es ermöglicht, Realität zu konstruieren.

Olafur Eliasson

Die Ausstellung im Winterpalais (1010 Wien, Himmelpfortgasse 8) wird am Freitag eröffnet und ist bis 6. März zu besichtigen.