Auch eine Küssende erreichte die 1800 Meter

Kultur / 20.11.2015 • 21:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Schinwalds „Korinna“ begrüßt die Besucher in der am Freitagabend eröffneten Kunsthalle „Arlberg 1800“. Fotos: Schuster
Markus Schinwalds „Korinna“ begrüßt die Besucher in der am Freitagabend eröffneten Kunsthalle „Arlberg 1800“. Fotos: Schuster

Nach dem Konzertsaal hat der Arlberg nun seine Kunsthalle. Allen Ernstes nicht nur für die Bussi-Gesellschaft.

St. Christoph. (VN-cd) Den größten Höhenunterschied hat wohl die Arbeit der Vorarlberger Künstlerin Maria Anwander überwunden. Im Rahmen der Performance „The Kiss“ hinterließ sie vor einigen Jahren Kussspuren im renommierten New Yorker MoMA. Der Akt der Aneignung zählt zu den wichtigsten Arbeiten der mittlerweile mit dem Internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg Ausgezeichneten. Dem Unternehmer und Kunstsammler Florian Werner war sie schon früh als Künstlerin aufgefallen, die für sein „Artist in Residence“-Programm interessant ist, nun ist sie in der ersten Ausstellung der gestern Abend eröffneten Kunsthalle „Arlberg 1800“ vertreten, mit der Werner das Hospiz-Resort-Areal in St. Christoph – unweit der namensgebenden Arlbergpasshöhe – erweitert.

Gegen das Banale stemmen

So wie der Start nun abgelaufen ist, war er ursprünglich nicht vorgesehen. Rückblickend war es aber gewiss kein Schaden, dass man Anfang Oktober erst einmal eine Konzerthalle eröffnete, in der man an einem Programm mit erlesener Klassik, witzigem Kabarett und ernster Diskussion erst teilhaben konnte, wenn man ein Baustellengelände überquerte. Das hat nun ein Ende, die Halle mit einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern, ebenso geplant von Jürgen Kitzmüller, ist geöffnet und in der ersten, bis 17. April dauernden Schau stemmen sich eine Reihe von Werken nicht nur gegen den etwas banalen Titel „High Performance“, sondern auch gegen das, was man bislang auch im Rahmen durchaus überlegter Hotel-Ausstellungen sah. Hoch liegt der Ort, von hoher Kunst spricht man auch dann nicht mehr, wenn Hans Schabus sein Kunst-am-Bau-Projekt, einen riesigen Stab, der weit über das Dach hinausragt, auch noch verwirklicht hat.

Auf jeden Fall spricht der Name für sich, der Salzburger Künstler ist mit einem weiteren einstigen Österreich-Vertreter auf der Biennale Venedig nun am Arlberg dabei, Markus Schinwald präsentiert seine Figur „Korinna“ aus dem Jahr 2011.

Relativ jung sind die meisten Arbeiten, deren Präsenz am Arlberg das Wiener Kunstexpertiongremium „Sektion A“ überwacht. Der Rumäne Ovidiu Anton thematisiert mit Podesten gleich einmal das Ausstellen an sich, der Österreicher Alfredo Barsuglia siedelt seine Installationen im Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst an, Eva Beierheimer verbindet die Landschaft mit der Architektur, Gregor Graf verbindet die bildende Kunst bzw. die Architektur in seiner „Pianoforte“-Skulptur mit der Musik, Julia Hohenwarter begegnet wie weitere Vertreter dem klassischen Skulpturenbegriff und Clara Oppels Schriftzug „Be One“ klingt. Ein kluger und spannender Auftakt.

Höhenrausch: Arbeit von Eva Beierheimer auf der Treppe.
Höhenrausch: Arbeit von Eva Beierheimer auf der Treppe.

Geöffnet bis 17. April, Fr bis Mo, 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Mo, Mi und Fr, 18 bis 21 Uhr: www.arlberg1800RESORT.at