Ding Dong und die Hexe ist tot

20.11.2015 • 20:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Hänsel und Gretel“ gerät in Wien optisch harmlos. Foto: APA
„Hänsel und Gretel“ gerät in Wien optisch harmlos. Foto: APA

„Hänsel und Gretel“ – Kinderoper oder für Erwachsene? Das wurde an der Staatsoper eindeutig beantwortet.

Wien. Regisseur Adrian Noble verpackt die Geschichte der beiden Geschwister, die sich im Wald verirren und gegen die Hexe kämpfen müssen, in einen Scherenschnittwald im Stile des 19. Jahrhunderts, der immer wieder von Animationsfilmen (Andrzej Goulding) hinterleuchtet wird, die teils an den Kinopionier Georges Melies erinnern. Noble dynamisiert das Bühnengeschehen durch stete Bewegungen, kreiert Traumsequenzen mit Wolkenluftballons und setzt grelle Farbeffekte.

Im Graben führte unterdessen mit Pultstar Christian Thielemann ein Kenner des Stücks den Dirigentenstab. Traditionell gibt es vom enthusiasmierten Publikum für Thielemann bereits begeisterte Vorschusslorbeeren, denen verlässlicher Applaus am Ende folgt. Dieses Mal mischten sich aber einige Buhs in die Bravorufe – und nicht zu Unrecht.

Nicht gut disponiert

Stellenweise nimmt Thielemann seine Musiker zu wenig zurück und lässt die Sänger untergehen. Auch wirkte das Staatsopernorchester bei der Premiere insgesamt nicht dauerhaft gut disponiert, was sich in schepperndem Blech oder zitternden Streichersoli äußerte.

Immerhin stellte die Oper in ihrer Mischung aus Kinderliedern und Wagner-Nachfolge für die meisten Beteiligten eine Premiere dar. Als Erschwernis kamen noch krankheitsbedingte Ausfälle hinzu. Hatte man die Gretelfrage nach dem Ausfall von Chen Reiss mit Ileana Tonca bereits mit etwas Vorlauf zufriedenstellend beantworten können, musste Adrian Eröd als Vater praktisch in letzter Minute absagen. Dies ermöglichte Clemens Unterreiner ein beeindruckend friktionsfreies, stimmsicheres Einspringen bei seinem Rollendebüt. Ihm zur Seite konnte Janina Baechle als cholerische Mutter eine gewisse Schärfe in den höheren Lagen hingegen nicht unterdrücken, während Michaela Schuster die Knusperhexe nicht ganz so karikaturenhaft wie in manch anderer Inszenierung gibt. Somit etablierte sich Daniela Sindram als Hänsel bei ihrem erst zweiten Staatsoperneinsatz als herausragende Stimme.

Weitere Aufführungen am 22., 26. und 29. November sowie am 1. und 4. Dezember in der Wiener Staatsoper.