Rudolf Wacker sollte in Wien präsentiert werden

20.11.2015 • 21:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stillleben von Rudolf Wacker aus den Jahren 1930 und 1931. Fotos: Kinsky
Stillleben von Rudolf Wacker aus den Jahren 1930 und 1931. Fotos: Kinsky

Als Tobias Natter jüngst über Angelika Kauffmann und Rudolf Wacker sprach, war das Interesse enorm.

Wien, Bregenz. (VN-cd) Arbeiten der Malerin Angelika Kauffmann (1741–1807) kommen nicht oft, aber doch gelegentlich zur Versteigerung. Vor einiger Zeit erreichte ein Werk einen Rekordpreis. Erworben hatte es der Fürst von Liechtenstein. Das Gemälde „Odysseus auf der Insel der Circe“ aus dem Jahr 1793 steht nun beim Auktionshaus Im Kinsky in Wien mit einem Schätzwert von 250.000 bis 500.000 Euro auf der Liste.

Das Interesse ist groß, ein Vortrag des Vorarlberger Kunsthistorikers Tobias Natter (zuvor Direktor des Leopold Museums in Wien und des Landesmuseums in Vorarlberg) fand am vergangenen Mittwochabend zahlreiche Zuhörer. Nach seinen Ausführungen dürften wohl auch einige Kunstfreunde dazu motiviert worden sein, nach Rom zu reisen, wo das gezeigte Werk entstand, oder Vorarlberg mit dem Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg zu besuchen. In Natters Kauffmann-Ausstellung im Jahr 2007 war das erwähnte, in Privatbesitz befindliche Werk zu sehen, das die Bestrebung der Künstlerin als Historienmalerin wahrgenommen zu werden, belegt. Geschaffen wurde es nach der Französischen Revolution. Die Kauffmann, die zahlreiche Aufträge aus Adelshäusern erhielt, musste sich nach neuen Käuferschichten umsehen, die Antike ist gerade hoch im Kurs, was von der Malerin mit Säulen und in der Körperhaltung der Figuren berücksichtigt wird. Nebenbei erwähnte Natter im Zusammenhang mit dem Circe-Thema, dass es interessant wäre, mit einer Ausstellung den den Frauen zugeordneten Begriff des Verhexens zu thematisieren, während bei Männern von Verzauberung gesprochen wurde.

Ein wacher Zeitgenosse

Zwei Stillleben von Rudolf Wacker (1893–1939) mit einem Schätzpreis bis zu 200.000 Euro lassen den Schluss zu, dass der Wert der Arbeiten des namhaften Vorarlberger Vertreters der Zwischenkriegszeit im Steigen begriffen ist. Wacker hatte den Schritt vom Expressionismus, der einen emotionalen Pinselstrich erlaubt, zur Neuen Sachlichkeit vollzogen, er nahm sich zurück, disziplinierte sich, lässt die Dinge, die er malt, sprechen. Wacker sei, so Natter, einer der wenigen Künstler gewesen, die sich damals für Oskar Kokoschka, der vor den Nazis flüchtete, einsetzten. Er selbst sei so etwas wie heimatlos gewesen, schaute sich bei den Kommunisten um und bei Vertretern des Ständestaates, nahm am Geschehen enormen Anteil, war in Bregenz aber isoliert. Dass man in Vorarlberg zum 75. Todestag im Jahr 2014 nichts unternahm, wundert Natter, der es für höchst notwendig erachtet, Rudolf Wacker in Wien eine größere Ausstellung auszurichten.

Es wäre eine große­ Aufgabe, eine Wacker-Ausstellung außerhalb Vorarlbergs zu organi­sieren.

Tobias Natter
Stillleben von Rudolf Wacker aus den Jahren 1930 und 1931. Fotos: Kinsky
Stillleben von Rudolf Wacker aus den Jahren 1930 und 1931. Fotos: Kinsky