Es lebe die Freiheit

Kultur / 22.11.2015 • 22:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vive la France. Lassen Sie uns alle in die kampfbereite französische Hymne einstimmen, die die Menschen stolz dem islamistischen Mördergesindel und ihrem selbsternannten Terrorstaat entgegenrufen – vom Platz der Republik bis zur Metropolitan Opera in New York. Denn der Anschlag auf unschuldige Menschen in Paris ist ein Anschlag auf uns alle, unsere Freiheit, unsere Werte und unseren Lebensstil. Schon Victor Hugo sagte angesichts der Gräueltaten der Pariser Kommune während des deutsch-französischen Krieges 1870/71: „Wer Paris angreift, greift mehr an als Frankreich, denn Paris zerstören, heißt die Welt zerstören.“

Das vorletzte Wochenende verbrachte ich in Paris und habe Horror, Angst und Trauer miterlebt. Ich habe aber auch den Mut und die unbedingte Entschlossenheit der Pariser bewundert, sich das bisherige freie Leben nicht nehmen zu lassen, keine Einschränkungen ihres Individualismus zu dulden und gleichzeitig aber eine entschiedene Antwort auf den Terror des IS und anderer islamistischer Fanatiker und Mörder zu geben. Frankreich hat den Faschoislamisten den Krieg erklärt. Gegenüber gemeinen Massenmördern, die uns ihren islamistischen Radikalismus und pervertierten Glauben mit tödlicher Brachialgewalt aufoktroyieren wollen und dabei keine Grenzen von Humanität kennen, gibt es keine Toleranz. Eine Kriegserklärung, wie sie nun Frankreich an die barbarischen IS-Verbrecherbanden, Unterstützer und islamistisch-radikalen Milieus abgegeben hat, ist die einzig mögliche Antwort auf unbarmherzige Fanatiker und ihre Vision eines Genozids an allem Anderen, Freien und Aufgeklärten.

Denn mit lauwarmen Sonntagsreden und lahmen Beileidsbezeigungen gewinnt man genauso wenig einen Krieg wie mit dem penetranten Verständnisgeschwafel all der „Lieben und Guten“, die letztlich die Folgen des Kolonialismus, mangelnde Integrationsleistungen, die Demütigungen durch soziale Randstellungen, ja in einem geistigen Masochismus unsere Gesellschaft selbst für den Horror islamistischer Verbrechen mitverantwortlich machen. Der französische Philosoph Bernard-Henry Lévy sieht in dieser „ewigen Entschuldigungskultur“ eine Beleidigung sowohl der Opfer als auch derjenigen, die unter Elend und Diskriminierung leiden. Da gilt es auch entschieden Meinungen entgegenzutreten, die im Zuge der Charlie-Hebdo-Morde in einem Anfall von Selbstzensur mehr Zurückhaltung oder gar Verständnis für religiöse Fanatismen fordern.

Die Verteidigung unserer Werte ist auch untrennbar mit dem unbedingten Bekenntnis zur Kunst und ihrer Freiheit verbunden. Hiezu gehört die Ablehnung jeder Form von Zensur oder deren Vorstufen in Form beschwichtigender Rücksichtnahmen. Nach dem Anschlag musste Frankreich auch die Museen, Theater und Musikhäuser schließen, doch sie werden wieder öffnen und sie werden offen bleiben. Die Kunst ist ein Fanal für die Freiheit unserer westlichen Welt. Sie und alles, was sie möglich macht, und alles wofür sie steht, hassen die fundamentalistischen Mörder. Die Feier der Freiheit soll und wird weiter täglich in unserer Kunst und Kultur stattfinden.

Hiezu gehört die Ablehnung jeder Form von Zensur oder deren Vorstufen in Form beschwichtigender Rücksichtnahmen.

gerald.matt@vorarlbergernachrichten.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.