Bis in feine Regungen ausgeleuchtet

Kultur / 23.11.2015 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Simone Schneider in der Titelpartie und Matthias Klink als ihr Stiefvater Herodes brachten die Zuschauer zum Jubeln. Foto: Schaefer
Simone Schneider in der Titelpartie und Matthias Klink als ihr Stiefvater Herodes brachten die Zuschauer zum Jubeln. Foto: Schaefer

Der russische Kultregisseur Serebrennikow zeigt in der Strauss-Oper „Salome“ Jochanaan als Muslim.

Stuttgart. So kurz nach den Terroranschlägen in Paris schwingt viel mit in diesem Abend voller Kontraste, wenn sich Serebrennikow so seine Gedanken darüber macht, wie die täglich vom Fernsehen in unsere Wohnzimmer übertragene Gewalt und das Böse auf uns wirken.

Die Geschichte der brutalen Prinzessin hat er in der modernen Welt einer von Wohlstand verwöhnten Familie angesiedelt. In diesem Milieu lässt der 46-Jährige Religionen und kulturelle Konflikte aufeinanderprallen. Es ist eine Welt, in der islamische Einflüsse immer stärker werden. Wohl auch deshalb zeigt er den Gefangenen Jochanaan als muslimischen Propheten. Salome begehrt ihn, fordert und bekommt seinen Kopf.

Der Prophet spricht davon, dass sich alles von Grund auf verändere, eine Revolution und Unheil komme. Serebrennikow, der auch die Kostüme entwarf, zeigt die Frauen mal in Unterwäsche, mal mit Kopftuch oder auch ganz schwarz verhüllt. Im Hintergrund flimmern islamistischer Terror, arabische Schrift, Kriegs- und Flüchtlingsbilder. Dabei lässt er die visuellen Reize nie dominieren. Das Konzept der Regie, die Handlung in einen muslimischen Kontext einzubetten, ist mehr als ein Jahr alt. 

Intensiver Applaus

Das Premierenpublikum reagierte am Sonntagabend sehr zufrieden. Der intensive Applaus steigerte sich bisweilen so weit, dass der Boden im Staatstheater bebte.

Darstellerisch kommt rasch rüber, wovon Starschauspieler in Russland schwärmen: Serebrennikow leuchtet seine Charaktere bis in die feinsten Gefühlsregungen aus. Simone Schneider meistert in dem Rollendebüt die Entdeckungsreise des Mädchens Salome ergreifend, auf der Suche nach dem Geheimnis des Daseins. Die Prinzessin – mal in einem zarten Flügelkostüm, dann in schwarzem Trikot – ist besessen davon, herauszufinden, wo das größere Geheimnis liegt: in der Liebe oder im Tod. In der Rolle des Jochanaan sind von Anfang an dessen Stimme (Iain Paterson) und Körper getrennt.

Nächste Aufführung am 1. Dezember, 19.30 Uhr an der Oper Stuttgart. Dauer: ca. zwei Stunden.