Lauter musikalische Entdeckungen

Kultur / 23.11.2015 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Helmut Binder und der Kornmarktchor unter Wolfgang Schwendinger. JU
Helmut Binder und der Kornmarktchor unter Wolfgang Schwendinger. JU

Helmut Binder und der Kornmarktchor wagten den Spagat zwischen Alt und Neu.

BREGENZ. Attraktives Neues und gehaltvolles Vergessenes miteinander zu verknüpfen ist eines jener Merkmale von „Musik in Herz-Jesu“, das den hohen Publikumszuspruch dieser Konzertreihe erklärt. Am Wochenende waren es zwei Vorarlberger Erstaufführungen des namhaften Wiener Organisten und Komponisten Peter Planyavsky und Antonin Dvoráks Messe in D, die vom Stammpersonal der Reihe mit Hausorganist Helmut Binder und dem Kornmarktchor unter Wolfgang Schwendinger zu einem spannungsvollen Gegenüber erarbeitet wurden.

Als Pflichtstück für einen Orgelwettbewerb im Kloster St. Maurice bei Genf entstand im Vorjahr die „Toccata Mauritiana“ mit der packenden Verarbeitung eines gregorianischen Motivs durch Planyavsky, den einstigen Lehrmeister Helmut Binders in Wien. Dieser vollzieht das Stück quasi als „His Master’s Voice“ an der historischen Behmann-Orgel in überlegener Virtuosität und kostet dabei lustvoll dessen rhythmische Verschiebungen aus. Im modernen Kirchenmusikstil und ebenfalls der Gregorianik verbunden ist Planyavskys Motette „Jubilate Deo“, als Lob Gottes die passende Einstimmung am Vorabend des Christkönigsonntags. Das in mächtigen Unisono-Passagen aufrauschende Werk bietet Wolfgang Schwendinger mit seinem gut disponierten Chor wirkungsvolle Gestaltungsmöglichkeiten. Wegen der Nähe zur Orgel spielt sich das musikalische Geschehen diesmal auf der Empore statt im Altarraum ab.

Heimische Kräfte

Antonin Dvorák hat für die Kirchenmusik nicht nur sein düsteres „Requiem“ und das elegische „Stabat mater“ geschaffen. Daran wird unmittelbar darauf mit seiner 1877 entstandenen Messe in D, op. 86, erinnert, ein vergleichsweise schlichtes Werk, das mehr für den Konzertsaal als für den Gottesdienst gedacht ist. In diesem Geist einer gewissen gesunden Naivität hat auch Schwendinger seine Interpretation angelegt und kann dabei auf das farbenreich warme Klangbild und die Stimmkultur seines Chors zählen. Freilich lässt der Dirigent in der reichhaltigen Harmonik des vierstimmigen Chorsatzes, den Fugenansätzen in „Gloria“ und „Credo“ und dem verinnerlichten Chor-„Benedictus“ auch Dvoráks Meisterschaft verspüren, den sakralen lateinischen Text mit der unbeschwerten Lieblichkeit seiner Heimat zu verbinden. Dazu kommt in der aufgeführten Urfassung ein orchestral angelegter Orgelpart als Begleitung, den Binder mit feinsinnig gewählter Registrierung ausführt. Im Wechsel mit dem Chor erfüllen die heimischen Kräfte Julia Großsteiner, Sopran, Lea Müller, Alt, Stefan Schneider, Tenor, und Johannes Schwendinger, Bass, die relativ bescheidenen solistischen Aufgaben gut abgestimmt und mit schönen Einzelleistungen.