Ein packender Spionagethriller

24.11.2015 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der erfahrene Versicherungsanwalt James Donavan (Tom Hanks) gerät mitten in den politischen Konflikt. AP
Der erfahrene Versicherungsanwalt James Donavan (Tom Hanks) gerät mitten in den politischen Konflikt. AP

Mit „Bridge of Spies“ begibt sich Regisseur Steven Spielberg diesmal in den Kalten Krieg.

Thriller. „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ist Hollywood à la Steven Spielberg. Und das macht der Großmeister der Spannung perfekt. Der dreifache Oscar-Preisträger, der den Kalten Krieg als Kind und Teenager erlebt hat, führt die Zuschauer mitten in die explosive Blockkonfrontation zwischen Ost und West, über die gerade gebaute Berliner Mauer, in streng geheime Agentenaustauschaktionen und packende Spionagedramen.

Politische Konfrontation

Wenn es um historische Stoffe geht, ist Spielberg (68) voll und ganz in seinem Metier. Das bewies er schon mit „Schindlers Liste“, mit „München“ über den Terroranschlag bei den Olympischen Spielen von 1972 und zuletzt mit „Lincoln“ über die letzten Monate im Leben des US-Präsidenten Abraham Lincoln. Doch sein neuer Film dreht sich um eine eher unbekannte historische Figur. Es ist ein Spionagethriller, aber mehr noch eine Charakterstudie des US-Anwalts James Donovan, der gegen seinen Willen in die politische Konfrontation verwickelt wurde.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Erzählung beginnt 1957, am Höhepunkt des Kalten Krieges. Die USA und die Sowjetunion fürchten die Nuklearmacht des jeweils anderen und setzen hier wie dort Spione ein, um der Gegenseite zuvorzukommen. Mitten in den politischen Konflikt gerät der erfahrene Versicherungsanwalt James Donovan (Hanks): Er wird beauftragt, den in New York aufgegriffenen KGB-Agenten Rudolf Abel (Mark Rylance) zu verteidigen. Nach außen hin soll der Schein gewahrt werden, der verhasste Feind erhalte den amerikanischen Grundwerten entsprechend einen fairen Gerichtsprozess – dabei sehen ihn Regierung, CIA und sogar der Richter schon auf dem Elektrischen Stuhl. Kaum einer könnte besser in die Rolle passen als Tom Hanks. Es macht 140 Minuten wahre Freude, dem 59-Jährigen in dieser Rolle zuzusehen. In seiner vierten Zusammenarbeit mit Spielberg nach „Der Soldat James Ryan“ (1998), „Catch Me If You Can“ (2002) und „Terminal“ (2004) glänzt der Oscar-Preisträger mit bemerkenswerter Ruhe und unerschütterlichem Gerechtigkeitssinn.

Showdown

In weiteren Rollen sind unter anderem Amy Ryan als Donovans zu Recht besorgte Ehefrau sowie die beiden Deutschen Sebastian Koch (als DDR-Anwalt Vogel) und Burghart Klaußner (als Generalstaatsanwalt Ott) zu sehen, wurden Teile des Streifens doch in der deutschen Hauptstadt gedreht. Die Bilder des in Ruinen liegenden, verschneiten Berlin, in dem die Mauer zwischen Ost und West hochgezogen wird, gehören mitsamt dem Showdown zu den wirkungsvollsten des Films.

Hinter den smarten Dialogen stehen zudem mit dem britischen Dramatiker Matt Charman und den Coen-Brüdern nicht zuletzt hochkarätige Drehbuchautoren. Das Ergebnis der Kollaboration ist ein hochspannendes, unterhaltsames Agentendrama und zugleich eine überaus packende Charakterstudie über einen wenig bekannten Helden.

Filminfos

» Regie: Steven Spielberg

» Land: USA/2015
» Hauptdarsteller: Tom Hanks, Austin Stowell, Amy Ryan, Mark Rylance

» läuft ab 27. November im Kino