Das Kunsthaus ist im Grunde gar ein Tanzhaus

Kultur / 04.01.2016 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Tänzerin Natalie Fend ließ sich von der Installation von Heimo Zobernig im Kunsthaus inspirieren. Foto: Rudolf Sagmeister
Die Vorarlberger Tänzerin Natalie Fend ließ sich von der Installation von Heimo Zobernig im Kunsthaus inspirieren. Foto: Rudolf Sagmeister

Rudolf Sagmeister arbeitet an Buchprojekten, Heimo Zobernigs KUB-Skulptur kommt von Bregenz nach Köln.

Bregenz. (VN-cd) Seine Arbeit für das Kunsthaus Bregenz souverän an jene zu koppeln, die er im Austria-Pavillon für die Biennale in Venedig schuf, hat Heimo Zobernig erneut international in die Schlagzeilen gebracht. Bis kommenden Sonntag ist die Personale des Österreichers noch im Kunsthaus Bregenz zu sehen. Danach holt Yilmaz Dziewior, der im letzten Jahr als Kommissär der Biennale fungierte und Zobernig für die Weltkunstschau auswählte, die für das oberste Stockwerk des Zumthor-Baues in Bregenz entworfene Skulptur an das Museum Ludwig in Köln, das der einstige KUB-Direktor mittlerweile leitet.

Dabei handelt es sich um einen in den Maßen identischen Nachbau der Deckeninstallation im Biennale-Pavillon, der dessen Grundriss und Ausmaß erkennbar macht und die architektonische Struktur des KUB genauso wie auch die Geschichte dieser Arbeit offenlegt. Unter diesem massiven Statement hat Zobernig jene neue Bronzeskulptur postiert, die er in Venedig zugunsten der dortigen Raumwirkung dann nicht mehr zeigen wollte.

Kunst inspiriert Tänzer

Beide Arbeiten haben die Vorarlberger Tänzerin Natalie Fend zu einer Choreografie inspiriert, die zu einem Projekt des Kunsthauses Bregenz zählt, das bislang mehr oder weniger im Verborgenen ablief, das aber mehr und mehr Bedeutung erlangt und in absehbarer Zeit auch in vollem Umfang der Öffentlichkeit präsentiert wird. In lockeren Abständen haben die VN immer wieder Fotoarbeiten des Kunsthistorikers und KUB-Kurators Rudolf Sagmeister veröffentlicht, der seit Jahren mit Tänzerinnen und Tänzern zusammenarbeitet und als passionierter Fotograf gilt. Gestartet wurde die Serie dieser Aufnahmen im Zuge der Ausstellung der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman im Jahr 2006. Tänzer wurden gebeten, auf die Bilder und Installationen Bezug zu nehmen, das Haus als Bühne zu sehen oder den Raum in ihren Bewegungen erfahrbar zu machen.

Kooperation mit Marinelli

In letzter Zeit kam es dabei öfter zu Kooperationen mit Günter Marinelli, der seit Jahren das „Tanz ist“-Festival am Spielboden in Dornbirn austrägt und mit seinen Stars jeweils das Kunsthaus besucht. Gelegentlich gab es Aufführungen vor Publikum, im Allgemeinen passieren die Aufnahmen aber hinter verschlossenen Türen. Morgens vor zehn Uhr beispielsweise, nachdem Sagmeister mit den Tänzerinnen und Tänzern die Kostüme besprochen hat und die Choreografien durchgegangen ist. Die Bilder werden nie gestellt, Sagmeister lässt, wie er erzählt, die Tänzer jeweils fünf bis zehn Minuten agieren und gönnt ihnen dann eine Pause, während der er überlegt, ob er ein anderes Objektiv einsetzt oder das Licht neu ausrichtet.

Mit etwa 30 Tänzern hat er inzwischen gearbeitet. Das Projekt wird auch in jenen Ausstellungen realisiert, die nun der neue Direktor Thomas D. Trummer verantwortet. Eine Zeitlang möchte er es noch fortsetzen, dann soll eine Publikation erscheinen. Früher schon kommt ein weiteres Buch in die Handlungen. Seit der Eröffnung des Kunsthauses im Sommer 1997 hat Sagmeister nämlich alle Künstlerinnen und Künstler, die hier ausgestellt haben, porträtiert. Wer bereits einen kleinen Einblick erhielt, hat festgestellt, dass ungemein aussagekräftige, charaktervolle Aufnahmen zustande gekommen sind. Zum 20-Jahr-Jubiläum soll ein Buch entstehen, das die Geschichte des KUB aus einer besonderen Perspektive lesbar macht.

Die Serie wurde mit Cindy Sherman begonnen, inzwischen habe ich mit etwa 30 Tänzern gearbeitet.

Rudolf Sagmeister

Die Ausstellung mit Arbeiten von Heimo Zobernig und Amy Sillman ist noch bis 10. Jänner im Kunsthaus Bregenz zu sehen.