Denn es reimt sich so toll zusammen

Kultur / 28.01.2016 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Auguste Bolte“ wurde gestern Abend im TiK in Dornbirn erstmals aufgeführt. Es spielen Wolfgang Pevestorf, Robert Kahr und Anwar Kashlan in der Ausstattung von Caro Stark. Foto: Wagabunt
„Auguste Bolte“ wurde gestern Abend im TiK in Dornbirn erstmals aufgeführt. Es spielen Wolfgang Pevestorf, Robert Kahr und Anwar Kashlan in der Ausstattung von Caro Stark. Foto: Wagabunt

„Auguste Bolte“ wird beim Theater Wagabunt zum Stück, das man wollte.

Christa Dietrich

Dornbirn. Der eine trägt Tütü, der andere ein Hasenkostüm aus pinkem Plüsch und der Dritte beweist seine Zugehörigkeit immerhin noch mit dem rosa T-Shirt unter dem weißen Anzug. Die Bühne ist klein und weiß, der tunnelartige Zugang, den die Ausstatterin Caro Stark entwarf, scheint so erdacht zu sein, damit die Raumkunst der Merz- und Dada-Bewegung auf Pop trifft. Wenn die Erzählung „Auguste Bolte“ von Kurt Schwitters (1887-1948) auf dem Programm steht, dann blicken wir zurück in die Epoche, in der Künstler gegen die herrschende Politik und den Kleinbürgergeist antraten und dabei auf Absurdes setzten.

Zugkräftige Premiere

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das in Dornbirn beheimatete Theater Wagabunt auf Schwitters stößt. Das 100-Jahr-Jubiläum der in Zürich gegründeten Dada-Bewegung ist ein gegebener Anlass, andererseits erweist sich die Inszenierung von Stephan Kasimir als hervorragender Kontrapunkt zu jenem Treiben, für das sich Teile der Bevölkerung zurzeit gerade eifrig kostümieren. Dass dieser willkommen ist, zeigte die ausverkaufte und bestens aufgenommene Premiere am gestrigen Abend in den Räumlichkeiten der Stadthalle. TiK, so die Kurzbezeichnung der Örtlichkeit, steht im übrigen für Theater im Kopfbau. Der vordere Teil des Gebäudekomplexes erhält somit eine tiefere Bedeutung.

Ensemblestück

Zum Lachen gibt es ebenso viel wie zum Denken, die Erzählung, die bereits nur gelesen einen bewegenden Theaterabend ergeben könnte, thematisiert den Akt der Entscheidung, in dessen Verlauf wir erkennen, dass die Tragweite ohnehin nicht abschätzbar ist. Auguste Bolte, deren Name sich schon mit den Wörtern wusste und wollte zum Reim formen lässt, beobachtet jedenfalls auf der Straße zehn Menschen, die in dieselbe Richtung gehen. Die Schlussfolgerung, dass da etwas los sein muss, führt zu den tollsten und absurdesten Verfolgungsjagden der Weltliteratur und bei Wagabunt zu einem temporeichen Ensemblestück, das Anwar Kashlan mit enormer Wendigkeit und rhetorischem Witz führt, während Wolfgang Pevestorf und Robert Kahr als Stichwortgeber exzellente, scheinbar ahnungslose Blender darstellen. Ein Riesenspaß, der äußerste Konzentration verlangt, bei dem kein Moment verblödelt wird und bei dem die Feinheit der Sprache absolut erhalten bleibt.

„Auguste Bolte“ taucht gelegentlich auf den Spielplänen deutscher Bühnen auf, die Erzählung im Trio derart aufzuheizen, ist eine gute Möglichkeit, das Publikum mit Schwitters vertraut zu machen. Die Reaktionen waren entsprechend. Dass manches an dieser Ausstattung oder an der Ästhetik des Abends an das Kosmodrom, also die kleine Bühne des Bregenzer Theaters Kosmos erinnert, schmälert das Ergebnis nicht. Das Kosmodrom hat sich als Podium für junge Schriftsteller und Regisseure etabliert, in Dornbirn nun einmal auf einen Text aus dem sogenannten Kanon der Literatur zu verweisen, ist eine ausgezeichnete Entscheidung. In diesem Fall eine maßgebliche.

Nächste Aufführungen am 30. und 31. Jänner, weitere bis 13. Februar jeweils 20 Uhr, im TiK in Dornbirn