„Weil derb ist ja gut“

Kultur / 05.02.2016 • 21:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Robert Stachel im VN-Interview: „Andreas Gabalier ist der Wegbereiter des Strachismus.“ Foto: VN/Lerch
Robert Stachel im VN-Interview: „Andreas Gabalier ist der Wegbereiter des Strachismus.“ Foto: VN/Lerch

Robert Stachel von Maschek spricht im
VN-Interview über
Satire und Politik.

Schwarzach. Seit 17 Jahren ist Maschek auf Österreichs Bühnen unterwegs. Das Trio synchronisiert Fernsehbilder und imitiert Politiker. In Wien hat es ein Puppenprogramm. Robert Stachel schildert im Interview, warum Andreas Gabalier gefährlich ist.

Was macht mehr Spaß, ein Auftritt mit Puppen oder mit der Leinwand?

Stachel: Mit der Leinwand. Dort können wir erzählen, was wir erzählen wollen.

Sie haben also eine Botschaft?

Stachel: Wir sind ja nicht der Papst (lacht). Aber wir transportieren teilweise unsere Meinung.

Sind die Szenen einstudiert?

Stachel: Das ist Impro. Die Geschichte ist die gleiche, aber wir haben keinen Text und können reagieren. Du hörst nach fünf Minuten, wie die Zuseher sind. Sind sie lustig, kann man derb und pubertär sein. Wenn man merkt, es wird zäh, es sitzen Abonnenten drinnen, werden wir ein wenig deutlicher.

Wie sind die Vorarlberger?

Stachel: Sehr derb. Letztens im Spielboden waren wir überrascht, es war eine der besten Stationen. Weil derb ist ja gut.

Ist das jetzt wie der Rockstar, der auf jedem Konzert sagt, er stehe vor dem besten Publikum?

Stachel: Oh ja (lacht). Minus Rockstar. Nein, ernsthaft. Vielleicht habe ich ein bisschen geflunkert.

Welches ist Ihre Lieblingsfigur?

Stachel: Ich mag den Faymann mittlerweile sehr gern. Auch Van der Bellen mag ich. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich in dieser Rolle mehr zu tun bekäme.

Beruflich wäre es der beste Bundespräsident?

Stachel: Ja. Aber ich kann auch mit dem Khol etwas anfangen.

Und mit Irmgard Griss?

Stachel: Das ist Peters Rolle. Ich finde sie sehr farblos, Peter spielt sie auch so. Bei der Wahl traue ich ihr etwas zu, aber für Maschek möchte ich sie nicht.

Rudolf Hundstorfer?

Stachel: Auch eine Peter-Rolle. Momentan, und das ist wieder ein pubertärer Witz, haben wir ihn darauf reduziert, dass er bellt, wenn er ins Bild kommt.

Schaden Sie den Politikern?

Stachel: Teilweise habe ich eher das Gefühl, dass wir ihnen nützen. Ich will ihnen aber weder nützen noch schaden. Wir haben viel über Strache diskutiert, ob man ihm nicht einen Gefallen tut, indem man ihn als den Bösewicht unseres Fachs darstellt.

Wie gehen Sie mit diesen Politikern um?

Stachel: Jörg Haider war mal in einer Vorstellung, das konnten wir uns nicht aussuchen. Seine Sitznachbarin hat erzählt, dass er sich wahnsinnig darüber aufgeregt habe, nicht vorgekommen zu sein. Strache thematisieren wir. Er liegt in den Umfragen weit vorne, da kann man nicht so tun, als gäbe es das Phänomen nicht.

Tim Wolff, Chefredakteur von „Titanic“, sagt, dass Politiker-Witze kaum Reaktionen auslösen würden. Bei Sportlern sei das anders. Teilen Sie diese Erfahrung?

Stachel: Zuletzt gab’s heftige Reaktionen auf unsere Gabalier-Figur. Er sagte zu Conchita Wurst so etwas wie: „In anderen Ländern würde man Leute wie dich hängen.“ Also nicht, dass er sie hängen will. Er stellt Österreich als so tolerant dar, dass es nicht passiert. Wir wollten falsche Toleranz thematisieren.

Falsche Toleranz?

Stachel: Jemanden tolerieren muss ich nur, wenn ich ihn nicht mag. Ich will Akzeptanz. Jedenfalls wurde uns vorgeworfen, wir würden sagen, Gabalier wolle Conchita aufhängen. Und wenn man einmal die Fans der Volksmusik beleidigt … ich glaube das ist wie wenn man Putin in Russland oder Erdogan in der Türkei beleidigt.

Wie hat sich das geäußert?

Stachel: Postings, Hassmails, Zeitungsartikel. Es wurde nicht über das Thema geredet. Das Thema ist: Andreas Gabalier ist die kulturelle Speerspitze des Rechtspopulismus. Er wird als solche aber nicht wahrgenommmen und darf in der ARD und im ORF ein Millionenpublikum bespaßen. Er ist der Wegbereiter des Strachismus. Vor diesem Kulturbegriff fürchte ich mich, er hat aber mittlerweile eine Mehrheit.

Welches Thema wird für Maschek im Frühjahr wichtig?

Stachel: Die Präsidentenwahl und das Asylthema. Damit haben wir aber noch keinen passenden Umgang gefunden. Es ist wahnsinnig schwer, mit Themen satirisch zu arbeiten, die so ernst und aussichtslos sind.

Gibt es Grenzen der Satire?

Stachel: Nein, aber jeder Satiriker hat eine Grenze. Peter und ich haben unterschiedliche Grenzen, die wir immer wieder verschieben.

Wie spielen Sie Vorarlbergs Landeshauptmann?

Stachel: Den Wallner? Ich habe von jedem Landeshauptmann ein Bild vor mir. Ich weiß, wie er aussieht und wie er spricht. Wallner ist der einzige, von dem ich das nicht habe (lacht).

Zur Person

Robert Stachel

hat zusammen mit Peter Hörmans­eder und Ulrich Salamun Mitte der 1990er-Jahre die Kabarettgruppe Maschek gegründet. Sie erlangten Bekanntheit mit der Synchronisation von Videos.

Geboren: 1972 in Wiener Neustadt