Dümmer als die Polizei erlaubt

Kultur / 16.02.2016 • 18:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erneut spielt Ben Stiller (Derek Zoolander) an der Seite von Owen Wilson (Hansel).  Foto: AP
Erneut spielt Ben Stiller (Derek Zoolander) an der Seite von Owen Wilson (Hansel). Foto: AP

Nach 15 Jahren kehrt Supermodel Derek Zoolander wieder auf die Leinwand zurück.

Komödie. Im flotten amerikanischen Kino-Geschäft, das so gern Fortsetzungen von erfolgreichen Werken lanciert, ist es eine angenehme Überraschung, wenn sich eine Weitererzählung mal 15 Jahre Zeit lässt. 2001 durfte Ben Stiller in „Zoolander“ als attraktives Fotomodell eine Gehirnwäsche über sich ergehen lassen. Und das, obwohl Derek Zoolander ohnehin nicht mit allzu viel Intelligenz gesegnet war. Daran hat sich wenig geändert, wenn Derek nun 2016 abermals auf großer Leinwand agieren darf.

Erneut spielt er an der Seite von Owen Wilson alias Hansel, einem so blonden wie auch nicht sonderlich schlauen Hübschling. „Zoolander 2“ wartet mit einer imposanten Besetzung, rasanter Action und überdrehten und bisweilen gänzlich sinnentleerten Gagagags rund um die Modewelt auf.

Verfolgungsjagd

Eingeleitet wird das Abenteuer von Derek und Hansel, deren Zeit als Supermodels längst passé ist, mit einer Verfolgungsjagd, an deren Ende kein Geringerer als Justin Bieber sein Leben lässt. Irgendjemand hat es auf die Popstars dieser Welt abgesehen und ausgerechnet Hansel und Derek sollen einer für die Modewelt zuständigen Interpol-Agentin (Cruz) dabei helfen, die Verantwortlichen dingfest zu machen.

Derek aber, der nicht nur seine Frau durch einen blöden Unfall, sondern mangels väterlicher Eignung auch das Sorgerecht für seinen Sohn verloren hat, muss dafür zunächst aus seinem Exil, einer verschneiten Berghütte in New Jersey, geholt werden. Auch Hansel hat zunächst andere Sorgen, als sich wieder der flatterhaften Haute-Couture-Szene zuzuwenden. Will Ferrell ist in der Fortsetzung erneut mit dabei, der von ihm verkörperte Bösewicht namens Mugatu hat noch einige Rechnungen zu begleichen.

Unglaublich, wer in der 102-Minuten-Komödie neben Stiller und Wilson noch alles zu sehen ist. Mit dabei sind etwa nicht wiederzuerkennende Kristen Wiig („Brautalarm“) und der herrlich zwischen den Geschlechtern oszillierende Benedict Cumberbatch. Ein weiser und bärtiger Sting ist dabei, Kanye West genauso wie Lewis Hamilton, Milla Jovovich oder Katy Perry. Schon im ersten Teil gab es kuriose Begegnungen, darunter auch eine kurze mit dem jetzigen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sowie ein Auftritt des jüngst verstorbenen David Bowie. Ohnehin ist sich „Zoolander 2“ seines Vorgängers stets bewusst, noch immer telefoniert Derek mit einem verschwindend kleinen Mobiltelefon, noch immer ist Hansel auf der Suche nach Erleuchtung.

Liebenswürdigkeit

„Zoolander 2“ ist vor allem eine Kraftanstrengung Ben Stillers, der vor der Kamera agiert, für die Regie und einen Teil des Skripts verantwortlich ist und als Produzent fungiert. Erneut ist sein Derek dümmer als die Polizei erlaubt, und erneut gelingt es Stiller, den man aus vielen US-Komödien kennt (von „Nachts im Museum“ bis „Gefühlt Mitte Zwanzig“) seine Figur auch mit einer gewissen Liebenswürdigkeit auszustatten.

Stillers Auftritt wäre aber nur halb so effektiv, wenn Derek in Hansel nicht einen kongenialen Partner hätte. Stiller und Wilson ergänzen sich in Komödien perfekt. In „Zoolander“ verschmelzen die beiden als unterbelichtete Models gleichsam zu einer Einheit, ihre Figuren verfügen, wenn’s mal wirklich drauf ankommt, sogar über eine gewisse Bauernschläue.

Der Film hat einen großartig scharfen, überraschenden, aber auch mal enervierenden Humor. Schon beim Erstling von 2001 sehnte man eine Verschnaufpause herbei, Gag folgt jedoch auch im zweiten Teil auf Gag, ohne dass ein Innehalten vorgesehen wäre. Und so ist es denn auch ein Leichtes, „Zoolander“ als puren Eskapismus abzutun, als überdrehten Hochgeschwindigkeitsquatsch.

Filminfos

» Regie: Ben Stiller

» Hauptdarsteller: Ben Stiller, Owen Wilson, Penélope Cruz, Lady Gaga, Will Ferrell

» läuft ab 18. Februar im Kino