Das Böse lauert hinter jeder Ecke

Kultur / 04.03.2016 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heinz StrunkDer goldene HandschuhRowohlt252 Seiten

Heinz Strunk

Der goldene
Handschuh

Rowohlt

252 Seiten

Über das Milieu wird gerne locker berichtet, Heinz Strunk bleibt hart.

Romane. Heinz Strunk ist ein Tausendsassa: Er ist Schauspieler, Moderator, Lebemensch, Freak, Kritiker und zum Glück auch Autor. Er ist der Mann fürs Grobe, der fast gegensätzlich, mit viel Feingefühl, unappetitliche Wahrheiten auf den Tisch bringt. Seine Qualitäten haben sich mittlerweile auch bei den Entscheidungsträgern herumgesprochen, so wurde der Hamburger mit seinem neuen Roman „Der goldene Handschuh“ für den Preis der Leipziger Buchmesse vorgeschlagen.

Die Vorhölle des Deliriums

Die Nominierung überrascht dennoch, da „Der goldene Handschuh“ ein schonungsloser Lokalaugenschein im Hamburg der 1970er-Jahre ist und jetzt nicht vordergründig literarisch wirkt. Strunk macht sich im Hinterhof der Reeperbahn auf die Spuren des Frauenmörders Fritz „Fiete“ Hanka, lotet sein Umfeld aus, beleuchtet die Destillen und wirft einen Blick auf Opfer und Täter. Gelegentlich springt der Autor in die bessere, scheinbar heile Welt, die der Reedereien und des großen Kapitals, aber auch hier nichts als Verderben unter der glänzenden Oberfläche. Der Autor zeigt mit der Hamburger Hafen­spelunke „Der goldene Handschuh“ eine Art Vorhölle der Gescheiterten und Unglücklichen, der Geächteten und Geschändeten. Gelegentlich verliert er sich, abseits des berüchtigten Mörders, zu sehr in Details. Das tut aber der inneren Spannung keinen Abbruch. Literarisch einwandfrei, schuf er einen Recherche-Roman allererster Güte. Die Bestürzung über menschenunwürdiges Leben in unseren Breiten hallt beim Leser noch lange nach. Manchmal sollte man sich von Serien-Autoren nicht abschrecken lassen und eben einen Roman „von der Stange“ lesen. Qiu Xiaolong schickt in „Schakale in Shanghai“
Oberinspektor Chen mittlerweile das achte Mal durch die Stadt. Nach wie vor ist es kein Problem, bei Chen und seiner korrupten Welt einzusteigen, sehr geschickt und unaufdringlich erzählt er auf den ersten Seiten über sein bisheriges Leben und auch im weiteren Verlauf fällt der Fokus eher auf die Geschichte, als auf das geistige Konvolut der acht Bände.

Aal und Katzenfisch

Dieses Mal wird Chen selber zum Objekt seiner Ermittlungen: Er ist nicht mehr beim Sonderdezernat, sondern man lobte ihn weg, auf eine höhere aber einflusslosere Position. Dazu versucht man den ehemaligen Chefermittler, permanent in eine Falle zu locken, um ihn langfristig abzuservieren. Aber warum? Dem Autor ist hier ein geschmackvoller Krimi gelungen. Dazu werden chinesische Weisheiten abseits der Glückskeks-Sprüche kredenzt. Aal, Katzenfisch und Froschschenkel – Qiu Xiaolong ist ein Verfechter der großen asiatischen Kochkünste. Falls es der Autor noch nicht angedacht hat: „Kochen mit Chen“ wäre ein äußerst reizvolles Buch für Zwischendrin. Ähnliches gibt es bereits von George Simenons Maigret und Donna Leons Commissario Guido Brunetti, um nur zwei Autoren zu nennen, die durch Kochbücher neue Leser gefunden haben.

Qiu XiaolongSchakale in ShanghaiZsolnay317 Seiten

Qiu Xiaolong

Schakale in Shanghai

Zsolnay

317 Seiten