Unter die Haut, vorbei am Skurrilen und mitten ins Herz

Kultur / 06.04.2016 • 21:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tone Fink und Eva Kees im neuen Bildraum Bodensee in der Alten Post in Bregenz. Foto: VN/Steurer
Tone Fink und Eva Kees im neuen Bildraum Bodensee in der Alten Post in Bregenz. Foto: VN/Steurer

Im Bildraum Bodensee kehren die Künstler Tone Fink und Eva Kees das Innere nach außen.

BREGENZ. Wenn das Innere nach außen gekehrt wird, sich Hülle und Fülle gegenseitig bedingen und die Papierhaut, aufgerissen und penetriert, zum eigentlichen Kern wird, dann kann Tone Fink nicht weit sein. Für die Ausstellung „Inside out“ im Bildraum Bodensee hat sich der Künstler mit Eva Kees eine Komplizin ins Boot geholt, die in eigener Bildsache ganz ähnliche Strategien verfolgt.

Mit Licht zeichnen

Mit auf die Region gerichtetem Fokus gehört das Zusammenspannen einer etablierten und einer jungen, aufstrebenden Position zu den Intentionen des Bildraums Bodensee. Wie die gut inszenierte Zusammenschau der Papierarbeiten, Fotografien, Objekte und Videos der beiden Vorarlberger Künstler Tone Fink und Eva Kees beweist, geht die Rechnung auf. Eva Kees, geboren 1982 in Bregenz, in Wien lebend, war im vergangenen Jahr mit ihren fotografischen Selbstinszenierungen als „Leopoldine Wagner“ und als neues Mitglied im Künstlerhaus zu sehen.

In ihren jüngsten Arbeiten rückt die Künstlerin den Dingen mit Zoom und Humor zu Leibe, wenn sie Ausschnitthaftes, Isoliertes, wie ein „offenes“ Herz ins Zentrum rückt. Ihre Arbeiten seien symbolhaft, ja manchmal gar plakativ, sagt die Künstlerin, die bevorzugt in Selbstdarstellungen agiert und die Leuchtkästen aus der Werbung in diesem Zusammenhang ebenso bewusst verwendet wie die Kommunikationschiffren aus den sozialen Medien. Weniger eindeutig, dafür umso ästhetischer und atmosphärisch aufgelöst erscheinen dagegen die silhouettenartigen Körper in der gleichnamigen Fotoserie. Hinter einer Milchglasscheibe verfließen in tänzerischen Bildern Bewegung und Stillstand, Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz ineinander. Der Erdenschwere entsagend und losgelöst scheinen die Körper einzig über Hände und Füße mit dieser Welt verbunden. In der Serie „lights“, die den Schatten als Pendant zu den lichten Körpern liefert, spürt Eva Kees dagegen mit einer 60-Sekunden-Belichtung auf dem Handy der ursprünglichen Bedeutung der Fotografie als einem Zeichnen mit Licht nach und generiert geheimnisvoll-abstrakte Bilder aus Lichtlinien.

Sitzrollwelle

Ganz von Hand, mit Vehemenz, mustergültig und flink, wie man es von ihm kennt, erzeugt dagegen Fink, geboren 1944, seine sechsteilige Folge von „Großpapierzeichnungen“, die als Allover-Strukturen jeweils rund dreieinhalb Quadratmeter Papier bedecken und sich von ganz feinem, kratzigem Strichelgespinst in mehreren Durchgängen bis hin zum massiven, von Farbe und Tee- und Tabaksaftbraun gestreichelten Wirrwarr, „kurvig-kreisig bis kantig-brüchig“ (Fink), verdichten. Wie eine überdimensionale Zigarre lädt eine davor auf dem Boden platzierte „Sitzrollwelle“ aus Pappmaché vermeintlich zum Innehalten ein, lässt aber in ihrer Bewegungsbereitschaft aufblitzen, dass Ruhe und Stabilität angesichts dieser Werke wirklich nur ein vorübergehender Zustand sind, und jedes Gleichgewicht labil sein kann. Ein „Wellentisch“ lädt sich mit Blick auf den See so ganz nebenbei mit neuer Bedeutung auf. Wie lust- und fantasievoll, gewohnt haarig und souverän erotisch, sich Tone Fink auch nach all den Jahren noch in seinem zeichnerischen Kosmos wie in einem Schrebergarten bewegt, zeigt eine Auswahl von Blättern aus über vier Jahrzehnten in St. Petersburger Hängung.

Darin begegnen sich skurrile Geschöpfe wie die „Kleine Prinzin“ und der „Fingernagelbeissaffe“. In einer „Fegefeuerweste“ scheinen sich christliche Ängste zu manifestieren und eine „Socke“, die nicht gestrickt, dafür aber gerissen und gelöchert wurde, stülpt auch in den Über-Zeichnungen mit Wortwitz das Innere nach Außen.

Die Ausstellung wird im Bildraum Bodensee, Seestraße 5, in Bregenz, heute Abend um 19 Uhr eröffnet. Geöffnet bis 21. Mai, Di und Do, 13 bis 18 Uhr, Fr und Sa, 11 bis 16 Uhr.