Wesentlicher Beitrag gegen die Verhetzung

Kultur / 11.04.2016 • 20:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Laut BM Ostermayer soll auch das 2018 zu eröffnende „Haus der Geschichte“ den bewussten Diskurs fortsetzen bzw. fördern.  Foto: Sams
Laut BM Ostermayer soll auch das 2018 zu eröffnende „Haus der Geschichte“ den bewussten Diskurs fortsetzen bzw. fördern. Foto: Sams

Kulturminister Ostermayer erörtert die Unterstützung des Jüdischen Museums und Restitutionen.

Hohenems. (VN-cd) Er wollte jenen Menschen Dank aussprechen, die in heiklen Zeiten bereit waren, die Errichtung eines Jüdischen Museums zu diskutieren, erklärte Bundesminister Josef Ostermayer seine Präsenz am vergangenen Sonntag in Hohenems. Am Rande des Festaktes zum 25-Jahr-Jubiläums des Jüdischen Museums sprach er mit den Vorarlberger Nachrichten über die Unterstützung der Einrichtung durch den Bund, über die jüngsten Restitutionsfälle bzw. die Rückgabe von NS-Raubkunst an die Erben von vertriebenen oder ermordeten Juden und über die Bundestheater und deren Bedarf an mehr Geld. 

Mühsame Verhandlungen

Die Unterstützung des Jüdischen Museums vonseiten des Kulturministeriums erfolgte, wie Direktor Hanno Loewy, der das Museum seit 2004 leitet, bestätigt, über viele Jahre nicht in dem Ausmaß, wie das nun im Jahr 2016 der Fall ist. In seinen ersten Jahren kamen etwa 40.000 Euro aus Wien, dann seien es nach mühsamen Verhandlungen 50.000 Euro gewesen, nach längeren Gesprächen ist man nun bei einer Summe von 70.000 Euro, die allerdings, wie Loewy betont, jedes Jahr neu zu verhandeln ist. Vom Wissenschaftsministerium kommen zusätzlich 45.000 Euro für einzelne Vermittlungsprojekte. Der gesamte Museumsbetrieb und das Programm werden vonseiten des Landes Vorarlberg und der Stadt Hohenems mit je rund 295.000 Euro gefördert. Die Arbeit des Museums, das zuletzt pro Jahr rund 18.000 Besucher anzog, bezeichnete Ostermayer als wesentlichen Beitrag „gegen Vorurteile, gegen Verhetzung und für den vernünftigen Umgang miteinander“. Für die Sanierung des jüdischen Friedhofs stellt der Bund aus dem Nationalfonds heuer die einmalige Summe von 60.000 Euro zur Verfügung, die der private Trägerverein zu verdoppeln hat.

Mit der Rückgabe von NS-Raubkunst, konkret handelt es sich um Blätter von Schiele, stand das Wiener Leopold Museum, das Naturalrestitutionen im Allgemeinen verweigert und gegebenenfalls Vergleiche schließt, zuletzt erneut in den Schlagzeilen. In der Causa Mayländer hatte Ostermayer, wie berichtet, vermittelt. Nachdem die erreichte Teilrestitution von der Erbin wie von der Israelitischen Kultusgemeinde als gute Lösung bezeichnet worden sei, werte er die Rückgabe ebenfalls als Erfolg. Die Kultusgemeinde hat zuvor mit täglichen Aussendungen mit Verweis auf das hohe Alter der Erbin Druck gemacht. Für ihn bleibe kein Unbehagen, erklärte Ostermayer gegenüber den VN, auch das Leopold Museum selbst stelle er nicht in Frage. Museumsfachleute hatten des öfteren den hohen Wert der Sammlung gewürdigt, die Einrichtung als solche aber als diskussionswürdig erachtet.

Bundestheater-Misere

Um 14 Millionen Euro ist die Basisabgeltung der Bundestheater (des Burgtheaters, der Staatsoper und der Volksoper) heuer auf 162,9 Millionen Euro erhöht worden. Laut Günter Rhomberg, dem ehemals interimistischen Geschäftsführer, der maßgeblich an der Reformierung der Bundestheater Holding beteiligt war, ist die nächste Erhöhung 2018 fällig. Aufgrund steigender Personalkosten sei man vorbereitet, so Ostermayer. Bei der Aufarbeitung des größten Theaterskandals der letzten Jahrzehnte wurden Versäumnisse festgestellt. Bei der Frage, inwieweit Beteiligte abgesehen von der entlassenen Burgtheaterspitze, also etwa Ex-Holding-Geschäftsführer Georg Springer zur Verantwortung gezogen werden, verweist Ostermayer auf die Justiz: „Das ist Sache der Gerichte.“

Wollte mich bei den Menschen bedanken, die die Errichtung eines Jüdischen Museums diskutierten.

BM Josef Ostermayer