Am End vom Jauhr hat ma allad eoz herbraut

Kultur / 20.05.2016 • 23:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sokratisch

I woß,

dass i ned alls woß.

Woß ned,

was i alls ned woß.

Woß abr,

dass das Weosso

um das,

dass i ned alls woß,

bessr ischt,

as wio moano

i weoß alls.

Allad tuo as wio d’ Lüt

machot no kan Minsch us oam.

Gego was an Hag nix nützt

Gegon Gloubo, gegos Moano, gegos Lacho, gegos Schtoamo,

gegon Undonk, gegon Donk, gegod an grüselicha Gschtonk,

gegod an schlehta Raud nützt kan Schtachl-Draud.

Gegos Leobo, gegos Schtebo und ou gegos ältr Wedo,

gego wilde Unkrudsaumo, gegos Hoffo, gegos Traumo,

gego d’ Wauhrat, gegon Lug nützt kan Hütebub*.

Das was ma mit dom Herz arkinnt,

was i do Seel hoamle varschwindt,

Wünsch und Ärgor, Fröud und Truro

ka koanar oafach ussemuro.

Dio Schtunda wau gond,

dio Gschichta wau schtond,

was ma vrlohn, was ma arhabo,

laut se wedr in- no ussehago.

Hoamat

hebscht no?

Hebsches us

winn as di beutlot

im Schtoam

im Novembr

winn s Loub abarfallt

und ma nauche zmaul sioht

was ohne Blättr

no bliebt

Schtrick-Therapie

Schtricko tuot guot, das beruhigt und brucht nix as an Klungl* Wollo und

zwo odr vier Naudla. För a normale Schtrickat zwo, för a viereggate vier.

Zum Afango schlet ma a paar Mascha a und dinn gaut as dahin. Scho klipporod*

d’Naudla. Das git a feine Schtricknaudl-Musig. So a Schtricknäudele-Konzert

ischt eopas Gmüotles. Dau huckod andr ou no gen dozuo. Klipp-klapp, klipp-klipp.

As söt müsleschtill sin, winn ma höro well, ob ma grad links odr rechts odr

eopas varschränkt schtrickt.

Winn ma gonz bi dor Sach ischt, dinkt ma bim Schtricko a nix as wio a d‘ Wollo

und `s Muschtr. Ma sioht, wio as Müschtoror git.

Loch-Müschtoror mit viela Löchr deona gind an Hufo Arbat. Ma tät ned gloubo,

dass Luftlöchor macho an Arbat gio ka. Bim Schtricko scho! Zopf-Müschtoror gind

bsundors viel Arbat. Abr bi varzopftom Züg muss ma allad arliedo. Das ischt bim

Schtricko ned andorscht as wio im Leobo.

Winn oam a Muschtr ned reht tuot, züht mas oafach uf und machot a oafachors.

Das ischt do Undorschied zum Leobo. Und winn di gonz Schtrickat ned well,

weft ma se in Winkl. Oafach so. Larefare*. Dinn wahtot ma uf an bessora Schtricktag.

Ma muss nix arzwingo bim Schtricko. Am End vom Jauhr hat ma allad eoz herbraut. Seelowähmar, Nieroschonar, Ohroschützar, Undorliebströschtar. Lutr Züg, wau oam

wohl tuot.

Wundordoktar

Winn an Wundordoktar meh koscht,

as wio oanar, wau ka Wundr weorko ka,

ischt das ka Wundr.

Zur Person

Birgit Rietzler

Geboren: 1961 in Lustenau,
aufgewachsen in Au

Tätigkeit: kaufmännische Tätigkeit, schriftstellerische Arbeiten

Publikationen: „Wiebr, Mä und Gogozäh“, „Schneeschpura“, „Berberitzen“, „Vögelewohl“, Texte in Anthologien

Familie: verheiratet, drei Kinder,
ein Enkelkind

Wohnort: Au

Lesung beim MundartMai am
22. Mai, 11 Uhr, Gasthaus Löwen Au-Rehmen, mit Marcel Bader, Julia Gridling, Alexandra Zünd, Irma Fussenegger und Birgit Rietzler.

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