Und dennoch gründeten sie eine Sammlung

Kultur / 24.06.2016 • 22:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das „Rad“ aus glänzend polierter Bronze verkörpert Malins Konzentration auf Material und elementare wie symbolträchtige Formen.
Das „Rad“ aus glänzend polierter Bronze verkörpert Malins Konzentration auf Material und elementare wie symbolträchtige Formen.

Im Kunstmuseum Liechtenstein wird der Museumsmann und Künstler Georg Malin gewürdigt.

VADUZ. (VN-ag) Georg Malin aus dem liechtensteinischen Mauren ist ein Mann mit vielen Talenten und Interessen. Der Künstler, Historiker, Archäologe und Politiker gilt nicht nur als Liechtensteins bedeutendster Bildhauer. Sein Name ist auch untrennbar mit der Entstehung der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung verbunden. Anlässlich seines 90. Geburtstages geht die Ausstellung „Georg Malin. Museumsmann und Künstler“ im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz dem Ineinanderwirken beider Facetten nach.

Die Zukunft nicht verpassen

Fast dreißig Jahre lang, von 1968 bis 1996, hat Georg Malin (geboren 1926) die Sammlung als Konservator geleitet. Mit viel Strategie, großem Geschick und der zuweilen nötigen Hartnäckigkeit, wie ihm sein Nachfolger Friedemann Malsch attestiert. So prägte Malin mit seiner gezielten Sammeltätigkeit von Kunst des 20. Jahrhunderts als „Ergänzung“ zu den Werken der Alten Meister der Fürstlichen Sammlung nicht nur maßgeblich das Gesicht der Kollektion, sondern legte ihre bis heute gültige Grundstruktur fest.

Begonnen hat alles 1967 mit einer Schenkung von zehn Gemälden Alter Meister an den Staat Liechtenstein. Angefragt vom damaligen Regierungschef, was mit den flämischen und niederländischen Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu tun sei, antwortete Georg Malin lapidar: „Wir gründen eine Sammlung.“ So geschah es, und bereits 1969 eröffnete die erste Ausstellung, in der bereits die ersten Ankäufe zu sehen waren. Mit zunächst geringen finanziellen Mitteln und um die Zukunft nicht zu „verpassen“, wurden Zeichnungen und Druckgrafiken der Moderne erworben, wobei das Augenmerk Malins von Beginn an auf der internationalen Bildhauerei lag, wie Werke von Giacometti, Henry Moore, Eduardo Chillida, Antoni Tàpies oder Bernhard Luginbühl beweisen. Zugleich bilden diese Werke das Kraftfeld, in dem sich Georg Malins eigenes skulpturales Schaffen verorten lässt.

Aufbruchstimmung

Die Aufbruchstimmung in der bildenden Kunst, das Ausstellungswesen des Centre d’Art Contemporain et de Communication der Familie Altmann oder auch die rege Verlegertätigkeit, die in den 1970ern in Liechtenstein herrschte, lässt sich auch an der Sammlung ablesen: Zahlreiche Liechtensteiner Künstler finden Eingang in die Kollektion, ebenso wie die im Grafos-Verlag gedruckte „Suite Schwurhand“ von Joseph Beuys. Früh schon hat Malin auch Werke von Ferdinand Nigg, dem bedeutendsten liechtensteinischen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angekauft; aber auch Evi Kliemand, eine frühe Papierarbeit von Martin Walch oder ein Holzschnitt von Martin Frommelt formen den Bezug zum Land. Mit einem seit Mitte der 1980er aufgestockten Budget (das vor rund drei Jahren um 60 Prozent auf 200.000 Franken gekürzt wurde) und einem namhaften Betrag der Vaduzer Lampadia Stiftung konnten wichtige bildhauerische Positionen erworben werden. Doch das lang verfolgte Projekt zum Bau eines Kunstmuseums scheiterte, und so platzierte der Stratege Malin die Skulpturen von Moore, Chilida oder des Österreichers Karl Prantl an öffentlichen Plätzen im Außenraum. Ein Rundgang durch die Ausstellung mit den Sammlungsbeständen offenbart einerseits das kluge Vorgehen von Malin, aus wenig Geld etwas zu machen, und andererseits aber auch die deswegen limitierten Möglichkeiten.

Dennoch gibt es etliche Highlights, die 2000 mit dem Bau des Kunstmuseums doch noch ihren Ort gefunden haben. Dazu zählen das Bildnis eines Knaben von Anthonis van Dyck, die für ihre Zeit eigenwilligen Landschaften des Niederländers Meindert Hobbema, ein Linolschnitt von Picasso, als weniger bekannte Werkgruppe, Arbeiten der Klassischen Moderne und von Vertretern des Expressionismus oder des Bauhauses. Gustav Klimt und Egon Schiele repräsentieren den österreichischen Jugendstil, während der Fokus vor allem auf Frankreich liegt. Ein interessantes Exponat stellt das von Jacques Villon gemalte Porträt seines Bruders, Marcel Duchamp, der in der Sammlung stark präsent ist, dar.

Eingebettet in die Bestände

Und nicht zuletzt sind auch Georg Malins eigene Arbeiten eingebettet in die Bestände. Neben frühen Radierungen und zwei Aquarellen, als auf eine grafische, fast konstruktive Anordnung von Farbe reduzierte Landschaft, verkörpern das „Rad“ aus glänzend polierter Bronze und der mächtige „Disentiser Würfel“ die Konzentration des Bildhauers auf Material und ebenso elementare wie symbolträchtige Formen.

Die Moderne hat einige schockiert. Aber die Zeit arbeitet für die Wegspuren, die wir gelegt haben.

Georg Malin
Georg Malin hat die bis heute gültige Grundstruktur des Kunstmuseums in Vaduz festgelegt. Fotos: A. Grabher
Georg Malin hat die bis heute gültige Grundstruktur des Kunstmuseums in Vaduz festgelegt. Fotos: A. Grabher