Couragiertheit punktet auch unter Musikern

Kultur / 06.07.2016 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mezzosopranistin Tanja Maria Oberscheider mit dem Orchester des Landeskonservatoriums unter Benjamin Lack.  Foto: JU
Mezzosopranistin Tanja Maria Oberscheider mit dem Orchester des Landeskonservatoriums unter Benjamin Lack. Foto: JU

Konservatoriumsstudenten präsentierten zum Jahresabschluss tolle Leistungen.

FELDKIRCH. „Festkonzert“ nennt sich seit einigen Jahren die Abschlussparade, bei der sich die Besten der Besten des Landeskonservatoriums präsentieren. Dieser Anlass wurde am Dienstag im Montforthaus zu einem wirklichen Fest der Hochbegabungen des Hauses, auch zu einem Fest der musikalischen Qualität auf einem generell hohen Niveau und zum Beweis für die Qualität der Ausbildung an dieser Anstalt. Dass dabei erstmals auch ein heimischer Komponist mit seinem im Studium entstandenen Werk vorgestellt wurde, war die Überraschung des Abends.

Träger dieser Leistungsschau ist auch diesmal das von Benjamin Lack wie üblich perfekt auf seine vielfältigen Aufgaben vorbereitete Sinfonieorchester, das vom Konzertmeister Edilberto Fonseca bis zum letzten Pult aus Studenten besteht, jungen Erwachsenen, die hochkonzentriert ihre Aufgabe ungemein ernst nehmen. Schon im Vorjahr hat man sich gedacht, da ist jetzt der Plafond erreicht, besser kann es nicht mehr werden. Doch Lack und seine Youngsters legen auch diesmal, vor allem in den Streichern, noch an ausgefeilter Klangkultur, Präzision und Reinheit zu. Gleich die heikle Rossini-Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ wird in duftiger Delicatezza mit schönen Soli in Flöte, Oboe, Fagott und Horn zur tollen Visitenkarte, auch die Begleitung der sieben Solisten gelingt flexibel und ohne jede Unsicherheit.

Interner Wettbewerb

Eine solche Abfolge von Solodarbietungen ist stets eine Art interner Wettbewerb, auch wenn die Beteiligten sich das nicht eingestehen wollen. Es geht darum, wer mit seinem Auftritt am meisten punkten kann, und da hat heuer eindeutig eine 19-jährige italienische Geigerin namens Fabiola Tedesco (Klasse Rudens Turku) die Nase vorn, die sich zum Abschluss als Programmknüller Sarasates halsbrecherische Carmen-Fantasie vornimmt. Sie tut dies weit weniger perfekt als alle ihre sechs Vorgänger, mit teils verständlicherweise auch etwas verrutschten Tönen in den verrückten Doppelgriffen, dafür aber mit solcher Couragiertheit und Selbstsicherheit, dass sie beim Publikum abräumt und am Schluss ein gewaltiger Jubelsturm über sie hereinbricht.

Es ist von der Konzeption her zwar etwas fantasielos, am gleichen Abend eine weitere Carmen-Fantasie ins Programm zu nehmen, die des Franzosen François Borne, aber es ermöglicht Vergleiche. Das nicht weniger virtuose Werk ist der Dornbirner Flötistin Vanessa Gasser (20) anvertraut (Klasse Eugen Bertel), die dem Werk mit ihren geheimnisvoll dunklen Tönen und in technischer Brillanz Glanz verleiht. Den undankbaren ersten Auftritt hat die Mezzosopranistin Tanja Maria Oberscheider aus Eichenberg (Klasse Clemens Morgenthaler) mit „Una voce poco fa“ aus Rossinis „Barbier“, in den Spitzentönen überzogen, in der Mittellage aber ansprechend und leichtgängig in ihren Koloraturen. Als zweiter Geigensolist des Abends meistert auch der 18-jährige Deutsche Johannes Ascher (Klasse Rudens Turku) mit Sarasates Introduktion und Tarantella ein happiges Stück Virtuosenfutter nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch bemerkenswert. Wie der Soundtrack zu einem Hollywood-Schinken klingt der verträumte Klavierpart mit Streichunterlage im Andante von Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert, dem die Ungarin Orsolya Nagyfi (Klasse Anna Adamik) wunderbar lyrischen Ausdruck verleiht, bevor es in wilden Läufen losgeht, die sie problemlos bewältigt. Für stillere Töne von großer Schönheit und Ausdruckskraft sorgt der 31-jährige Tscheche Michael Svoboda (Klasse Tomasz Zawierucha) mit einem Gitarrenkonzert von Castelnuovo-Tedesco.

Neigung zum Soundtrack

Besonderes Interesse gilt dem durch seine Arbeiten für das Landestheater im Bereich Pop und Filmmusik populären heimischen Komponisten und Multiinstrumentalisten Markus Nigsch (43), der erstmals zwei Sätze seines als Abschlussarbeit der Studien bei Herbert Willi entstandenen Fagottkonzerts vorstellt. Matthew Smith (30), der seine Ausbildung längst abgeschlossen hat und als Musiker im Berufsleben steht, ist der überlegene Gastsolist in einem professionell gestrickten, ansprechenden und im dritten Satz sogar ausgesprochen melodiösen Werk, das in der Behandlung der Streicher und seiner ausgeprägten Rhythmik weder den Lehrer des Komponisten noch dessen Neigung zum Soundtrack verleugnen kann. Auch dafür gibt es viel Beifall.

18. Dezember, Landeskonservatorium: Sinfonische Weihnacht (Francesco Negrini, Klarinette, Orchester unter Benjamin Lack)