Kunst und Geld ohne „Bling-Bling“

Kultur / 07.07.2016 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeit des Künstlers Jesus Curià, präsentiert von Anquin’s Galeria d’Art aus Spanien auf der Kunstmesse Art Bodensee in Dornbirn.  Foto: VN/Hofmeister
Arbeit des Künstlers Jesus Curià, präsentiert von Anquin’s Galeria d’Art aus Spanien auf der Kunstmesse Art Bodensee in Dornbirn. Foto: VN/Hofmeister

Persönlich, bodenständig und mit Qualitätsanspruch jenseits von Bling-Bling präsentiert sich die Art Bodensee.

DORNBIRN. (VN-ag) „Art or Money“ – das Dilemma, das der aus dem Iran stammende Konzeptkünstler Babak Saed in seinem rot-glänzenden Leuchtobjekt in der Koje der Galerie Linde Hollinger provokativ antönt, muss bei einer Kunstmesse wohl schlicht „Art and Money“ heißen. „Messe ist Markt“ bringt es Galeristin Helena Vayhinger auf den Punkt und die 16. Auflage der Art Bodensee bestätigt erneut, dass Live-Marketing auch im digitalen Zeitalter eine Zukunft hat.

Zwölf Institutionen und rund 60 ausgewählte Galerien aus acht Ländern präsentieren in den kommenden drei Tagen Gegenwartskunst. Zum letzten Mal in den Hallen 13 und 14, bevor die Art Bodensee 2017 in die neue, vom renommierten Architekturbüro Marte.Marte Architekten geplante Messehalle 11 übersiedeln wird. Für Projektleiterin Isabella Marte, die nach einem Prozess des Gesundschrumpfens und einer Rundumerneuerung seit sechs Jahren für die Messe verantwortlich zeichnet, stimmt die Mischung aus Kontinuität, die durch zwei Drittel Stammgalerien gegeben ist, und Neuzugängen auch heuer. Neben den gestiegenen Besucher- und Verkaufszahlen wertet sie vor allem die „Messe-Rückkehrer“ als positives Zeichen. Abgesehen vom Verschwinden des Skulpturenplatzes ist alles wie immer, es gibt als Fixpunkte eine Sonderschau und die Koje des von Künstlerkurator Harald Gfader ausgewählten „Featured Artist“ (diesmal die 1983 in Bregenz geborene Malerin Katherina Olschbaur).

Damit bleibt die Art Bodensee nicht nur ihrem Label „Salon- und Entdeckermesse“ treu, sondern setzt in Zeiten der Unübersichtlichkeit der Märkte und jenseits vom Hype und dem „Bling-Bling“ überbordender Großveranstaltungen im Kunstzirkus ein Zeichen. „Die Art Bodensee bedient das Bedürfnis nach individueller Betreuung und dem persönlichen Kontakt zu Künstlern und Vermittlern“, sagt Messe-Urgestein Helena Vayhinger und meint das keinesfalls despektierlich, sondern sieht in der Bodenständigkeit und der gebotenen Qualität einen Spiegel zur Region mit ihrem hochstehenden Handwerk. Mit „Wann ist eine Blume Blume?“ und dem schönen Konzept einer thematischen Ausstellung bringt die Galerie internationale Positionen, die von Hans Peter Adamski, Mitglied der legendären Mülheimer Freiheit, bis hin zu einer poetischen Fotoarbeit der heimischen Christine Lederer und zarten Aquarellen des chinesischen Künstlers Xianwei Zhu reichen, und verschiedene Medien zusammen.

Rabbit Chat

Zu den Wiedereinsteigern in Dornbirn zählt die Wiener Galerie Lindner, deren Programm von konstruktiv-konkreter Kunst durch Vorarlberger Positionen wie Franz Türtscher oder die Zeichnerin Doris Fend absolut bereichert wird. Auch die heimischen Galerien sind gut aufgestellt und warten mit einem interessanten Mix aus ihrem Programm auf, allen voran die Galerie c.art, die junge Galerie Maximilian Hutz oder die Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle, wo neben Rainer Ganahl, Stoph Sauter oder Johanna Kandl Edith Hofer im witzigen „Rabbit Chat“ Selfies am Stand malen wird.

Aber auch internationale Namen, sowohl bei den Galerien (Gimpel & Müller, Paris; JanKossen Contemporary, New York) als auch bei den Künstlern, werden bedient, und während es kleinere Arbeiten wie die Steingipssäckchen des Österreichers Mathias Garnitschnig bereits für 250 Euro zu kaufen gibt, bietet die Innsbrucker Galerie Rhomberg Siebdrucke von Andy Warhol für 140.000 Euro an. Dazwischen gibt es reichlich Kunst für jedes
Budget. Auf Echtheit geprüft wird dagegen am Stand von KunstVorarlberg, wo das „Kunst-Magistrat“ die dort gestalteten Werke mittels Stempeln autorisiert und zertifiziert.

Die Art Bodensee ist in den Hallen 13 und 14 der Messe Dornbirn vom 8. bis 10. Juli, jeweils von 11 bis 19 Uhr, geöffnet. www.artbodensee.info