Hoch oben erfolgt ein Nachdenken über die angeblich so „freie“ Kunst

Kultur / 08.07.2016 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Uwe Jäntsch stellt sich selbst aus – im Käfig. Fotos: VN/Steurer
Uwe Jäntsch stellt sich selbst aus – im Käfig. Fotos: VN/Steurer

Der Weg auf den Pfänder ist in diesem Sommer besonders lohnend.

Lochau. (VN) Nur einige Meter unter der Pfänderbahn-Bergstation tummeln sich, wie bereits berichtet, neuerdings Kunstliebhaber und solche, die es vielleicht noch werden. Die ehemalige Adlerwarte wurde in einen neuen Treffpunkt verwandelt, insgesamt 18 Volieren wurden von Künstlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Minigalerien verwandelt. Initiator Gregor Koller konnte knapp zwanzig Künstler überzeugen, an diesem besonderen Projekt teilzunehmen. Schon am Eingangstor werden die Besucher von einem Vogelpiepsen begrüßt, ein Werk von Andrea Vogel. Verblüffend sind auch die Arbeiten von Gernot Riedmann, dessen Hauptwerkzeug aus einer Kettensäge besteht. Die Schweizer Künstlerin Carmen Casty hat sich dem Thema ganz besonderes angenähert, sie hat für die Ausstellung einen ausgestopften Vogel mehrere Tage mit Pech betropfen lassen.

Das Thema „Traum vom Fliegen“ wurde von dem Künstler Flatz aufgegriffen und in einem interessanten Flugobjekt umgesetzt.

Die Künstlerin Sunhild Wollwage thematisiert in ihrem schon älteren Werk Mord und Krieg und arbeitet mit Naturmaterialien.

Der Vorarlberger Künstler Egger Arno beschäftigt sich mit dem Thema „What goes around comes around“.

Christoph Rütimann lieferte für die Ausstellung Videofilme, er schnürte eine Videokamera an die Pfänderbahn.

Der Künstler Heinz Greissing schafft es, in seiner Malerei mehrere Themen zu verpacken, wie zum Beispiel den Bregenzerwald und den Bodensee. Carmen Pfanner arbeitet mit dem Werkstoff Latex und bezieht sich auf die Fauna.

Eine ganz besondere Voliere ist die von Gottfried Bechtold. Durch ein kleines Loch in einem Tuch hat der Betrachter die Möglichkeit, einen Blick auf sein Werk zu erhaschen, mit dem er Sichtweisen thematisiert. Der in Palermo lebende Künstler Uwe Jäntsch macht sich selbst zum Objekt und erinnert mit einem Grabkreuz an die eigene Vergänglichkeit.

Uta Belina Waeger nimmt zum Thema Gefangenschaft Bezug. Jan Kaeser thematisiert die Abwesenheit des Platzes, in wöchentlichen Abständen werden die Schilder gewechselt mit Titeln wie zum Beispiel „Reserviert für die Erwartung“ oder „Reserviert für den Glauben“. Werner Geiger behandelt in seinen Bilder die Identität als Mann oder Frau.

Studenten der Akademie der bildenden Künste werden noch in das Projekt eingebunden, und Ausstellungsmacher Gregor Koller selbst hat sich mit dem Tod seines Vaters auseinandergesetzt. Fiona Rafferty hat sich mit der Webcam beschäftigt, die für Pfänderbesucher stets Relevanz hat. Die Malerin Alexandra Wacker thematisiert die Natur. Beate Frommelt bringt sachte und vielschichtig über Fäden Farbe ins Geschehen, und Ona B. belieferte das Areal mit einem Vogelnest, selbstverständlich, wie man es von ihr erwartet, in Rot. Die Tiere sind ja abgezogen worden, die Neuansiedling ist schwierig.

Auch Uta Belina Waeger nimmt Bezug auf den Begriff Gefängnis.
Auch Uta Belina Waeger nimmt Bezug auf den Begriff Gefängnis.

Die Ausstellung am Pfänder ist bis 31. August bei gutem Wetter, täglich  von 10.30 bis 15 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.