Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Festwochen als Hoffnungsträger

Kultur / 15.07.2016 • 19:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Durch diese Festwoche wollen wir unseren Glauben an die Heimat und die feste Zuversicht auf unsere Zukunft zum Ausdruck bringen.“ Das schrieb Bürgermeister Julius Wachter im Programmheft der „Bregenzer Festwoche 1946“. Die Festwoche war der Vorläufer der Festspiele, weshalb zum 70. Geburtstag des Festivals nun eine spannende Ausstellung im Landesmuseum stattfindet. Gezeigt werden vor allem die Bühnenbilder seit der „Zauberflöte“ im Jahre 1985. Diese Bühnenbilder sind kleine Kunstwerke, aber großartig, wie sie alle Details der weltgrößten Freilichtbühne bringen. Nicht zuletzt kann man jene Seeaufführungen, die man gesehen hat, im Modell nun wieder für sich neu erstehen lassen. In einer zusätzlichen Ausstellung werden in der Hypo Bank, einem der Hauptsponsoren der Festspiele, Kostüme aus den Seeaufführungen präsentiert.

 

Man darf den Initiatoren der Ausstellung, Manfred Welte vom Landesmuseum und Axel Renner von den Festspielen, dankbar sein. Vor allem auch dafür, dass sie nicht versucht haben, über die heutige Erfolgsgeschichte der Festspiele ihre zum Teil schwierige historische Situation zu verschleiern. Das begann schon 1946, als sich auch Träger des überholten nationalsozialistischen Systems über die Hintertür der damaligen Festwochen wieder in die Gesellschaft eingliedern wollten. Meinrad Pichler hat das in seiner Eröffnungsrede sehr schön – zurückhaltend, aber klar – erzählt, auch im Katalog sind diesbezügliche Hinweise. Der Katalog (auch von Axel Renner und Manfred Welte herausgegeben) ist überhaupt eine Freude. Man findet viele frühe Festspielplakate, unter anderem von Hubert Berchtold oder Othmar Motter, man findet natürlich jene, die Alfred Wopmann über seine ganze Zeit bei Reinhold Luger in Auftrag gegeben hat, man findet viele Geschichten von den Anfängen, etwa von den „Liebesgaben-Paketen“, die Schweizer Gäste an die einheimische Bevölkerung geben konnten.

 

Genug Platz ist auch dem „Umbruch“ der Festspiele gewidmet, dem ominösen Rechnungshofbericht von 1982, der kulturellen Auseinandersetzung zwischen den Festspielen und den Künstlern des Landes, die in der Austragung der „Randspiele“ gipfelte. Denn genau dieser Konflikt war es, der Alfred Wopmann als Intendant brachte und mit ihm eine bis dahin unvorstellbare künstlerische Qualität im Programm der Festspiele. Das hält bis heute an – und möge weiter anhaltend bleiben.

Dieser Konflikt war es, der Wopmann als Intendant brachte und mit ihm eine bis dahin unvorstellbare künstlerische Qualität im Programm.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.