Am Anfang war die Tat, äh, der Witz

Kultur / 19.07.2016 • 23:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die erste Seebühne waren zwei Kieskähne, ausgestattet von Maria Wanda Milliore, im Gondelhafen. Foto: BF
Die erste Seebühne waren zwei Kieskähne, ausgestattet von Maria Wanda Milliore, im Gondelhafen. Foto: BF

Mit „Bastien und Bastienne“ blicken die Festspiele wohltuend unpathetisch zurück.

Christa Dietrich

Bregenz. Im August 1946 war es das Funkorchester, gestern Abend stiegen Mitglieder des Symphonieorchesters Vorarlberg so gut wie am selben Ort auf ein schwankendes Podium. Das Abenteuer diente einer so reizvollen wie witzigen und klugen Idee: Da die Geschichte der Bregenzer Festspiele bzw. des Spiels auf dem See auf zwei Kieskähnen im Gondelhafen mit einem Mozart-Abend und dem Singspiel „Bastien und Bastienne“ begann, ließ Intendantin Elisabeth Sobotka als Geste zum 70-Jahr-Jubiläum einen Bühnenaufbau erstellen, der dem damaligen nachempfunden ist, und schickte die Sänger ihres neuen Opernstudios sozusagen aufs Wasser.

Paul Schweinester (Bastien), Dominic Barberi (Colas) und Anna El-Khashem (Bastienne) hatten in der um 1768 uraufgeführten Komödie ihren Auftritt, bevor es wieder zu den Proben für einen weit größeren Mozart-Brocken geht: Am 15. August wird „Don Giovanni“ im Theater am Kornmarkt zur Aufführung kommen. Bei der Ausstattung realisierte Florian Kradolfer – seit Jahren mit exzellentem Gespür für die Bühnenästhetik bei den Bregenzer Festspielen tätig – sowohl den notwendigen Ausflug ins Rokoko als auch eine Anknüpfung an die den Gondelhafen umgebende Natur. Die szenische Einrichtung von Steven Whiting berücksichtigt ebenfalls verschiedene Zeitebenen. Jene kleinen Eifersüchteleien, denen Bastien und Bastienne ausgeliefert sind, werden nicht von einem Zauberer kuriert, Colas ist so etwas wie ein Paartherapeut. Kein Zyniker allerdings, seine von Herzschmerz geplagten Protagonisten werden keiner voyeuristischen Meute ausgeliefert.

Mehr als ein Spaß

Es macht Spaß, dabei zu sein, aber selbstverständlich ist das Unternehmen weit mehr als ein Spaß. Es vergegenwärtigt eine mutige Idee, die damals unter anderem vom Ensemble des Landestheaters im Rahmen einer „Festwoche“ verwirklicht wurde. Man mag als Zuhörer vielleicht daran erinnert sein, dass unsere Hörgewohnheiten längst anders geworden sind. Einst musste man ohne viel Technik auskommen, und diesem Prinzip wurde auch gefolgt. Man war somit gezwungen, sehr genau hinzuhören und manche akustischen Lücken sozusagen mit Vorstellungsvermögen aufzufüllen. Maria Wanda Milliore schuf einst die Ausstattung, die in eine Schäferidylle zur Zeit Mozarts führt. Am Anfang war die Tat, schon damals war sicher auch Witz dabei, der jetzt im Spiel und in den Requisiten etwas stärker aufgetragen werden darf. Und einen deutlich hörbaren Wink hinüber zur großen Schwester, der Seebühne, auf der in diesem Jahr erneut Puccinis „Turandot“ aufgeführt wird, gab es auch.

Eine Ankündigung

Jordan de Souza leitete das Symphonieorchester, das das Stück gestern Abend in filigranen Farben erklingen ließ. So jedenfalls, dass den Sängern Raum geschaffen werden konnte für Aktion und für einen Gesang, der zumindest erahnen lässt, dass das Opernstudio gut besetzt ist und einen erheblichen Teil in der Zukunftsplanung der Bregenzer Festspiele ausmacht.

Ein – etwas zu früh gezündetes – Feuerwerk hat den Spaß an der frei für jeden Flanierenden zugänglichen Aufführung gekrönt. Mit einer kleinen, von einer Broschüre begleiteten Ausstellung im Vorarlberg Museum verweisen die Festspiele heuer auf ihre Gründerjahre. Der Auftakt, dem einige Besucher beiwohnten, die das Festival von Anfang an oder lange schon aktiv begleiten und über die Jahre prägten, war wohltuend unpathetisch. Allerdings dürfte es so mancher auch bedauern, dass das Singspiel „Bastien und Bastienne“ in dieser Art aus verschiedenen organisatorischen Gründen nur einmal im Gondelhafen aufgeführt werden konnte.

In Erinnerung an den Start der Bregenzer Festspiele wurde „Bastien und Bastienne“ gestern Abend wiederum auf einem Kahn aufgeführt. Foto: Beate Rhomberg
In Erinnerung an den Start der Bregenzer Festspiele wurde „Bastien und Bastienne“ gestern Abend wiederum auf einem Kahn aufgeführt. Foto: Beate Rhomberg

Bei den Bregenzer Festspielen erfolgt am Mittwochabend, 19.30 Uhr, im Festspielhaus die Premiere der Oper „Amleto“ von Franco Faccio.